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  • Karla Johanna Schaeffer

Das Gefühls-Gleichgewicht. Immer 50/50.



Wir bemühen uns stets, so wenig negative und unangenehme Gefühle zu fühlen, wie nur menschenmöglich. Nervosität, Frustration, Angst, Trauer, Scham; diese Gefühle versuche ich wenn möglich recht selten zu fühlen, ich finde sie auch nicht angenehm.

Und arbeite hart an mir, nicht so aufgeregt zu sein in neuen Situationen, nicht so frustriert zu sein, wenn etwas nicht klappt oder anläuft, nicht so schüchtern und ängstlich zu sein, wenn ich mich vor einer Herausforderung stehe und meine stark ausgeprägte melancholische Seite nicht so oft ausarten zu lassen, mich nicht für die Dinge zu schämen, die mir schwer fallen oder die ich nicht gut kann.


Und dennoch, sind diese schwierigen Gefühle Teil der 50/50 Aufteilung, Teil der Gefühlspalette, die für uns Menschen vorgesehen ist und auf die wir zurückgreifen können und werden.

Wenn wir versuchen alles Negative zu vermeiden, Angst haben vor einer Wahrheit oder Direktheit, Angst haben zurück gewiesen zu werden, Angst haben vor Ablehnung oder Unfähigkeit oder Peinlichkeit und dadurch Dinge nicht tun, uns verstecken, in Verhalten- und Vermeidungsstrategien verfallen, die uns davor bewahren diese unangenehmen, schwierigen Gefühle zu fühlen und wenn wir stattdessen versuchen ständig glücklich und fröhlich zu sein, dann bekommen wir automatisch das entgegengesetzte Resultat.

Denn uns stehen nicht nur Freude und Glück und Liebe als Gefühl zur Verfügung.


Kannst du dir denken, wie unglücklich es dich macht, wenn du versuchst dich nur noch und ausschließlich glücklich zu fühlen? Oder wenn du davon ausgehst, dass es dir nur gut gehen sollte, oder dass es einen Zeitpunkt geben wird, an dem du dich nur noch gut fühlen kannst?

Stattdessen soll dir diese Folge helfen, das 50/50 Konzept zu verstehen und vielleicht anzunehmen, nämlich das 50/50 Fühlen zuzulassen und mit ihm die vollumfängliche, gottgegebene ganze Erfahrung unseres Menschseins zu erfahren. Unsere Erfahrung als Menschen, die zu 50 % aus positiven und zu 50% aus negativen Gefühlen besteht.


Ein Gefühle an sich, ist eine harmlose Vibrationen, die durch uns durch läuft. Die Glücksenergie einer wunderschönen Erfahrung genauso wie die Energie eines schmerzvollen Gefühls.

Ich habe letztens den Satz gehört: ‚Der Preis der Liebe ist der Verlust.‘

Das hat mich sehr berührt. Wir haben immer beides im Leben, die Liebe und den Verlust. Alle von uns, die geliebt und verloren haben, wissen etwas von diesem Schmerz des Abschieds. Für die meisten Menschen ist Liebe die tiefste Quelle der Freude in unserem Leben, während der Verlust derer, die wir lieben, die tiefste Quelle des Schmerzes ist. Und das Eine ist nicht ohne das Andere möglich.

Wir haben die Liebe und den Schmerz. Das Glück u d die Trauer. Wir haben Die Freude und die Frustration. Die Angst und den Mut.


Warum fällt es uns so schwer, das Schwierige zu erleben und zuzulassen? Abgesehen davon, dass es sich natürlich nicht leicht und gut anfühlt, schon klar.

Aber was, wenn du dir sagen kannst, dass es einfach auch mit dazu gehört?

Ganz viel, von dem was wir fühlen und erfahren auf diesem Planeten, ist davon abhängig wie wir über die Dinge denken und sie interpretieren. Wie wir interpretieren, wie andere Menschen uns behandeln oder uns entgegentreten. Wie wir über uns selbst denken und über unser Leben denken bestimmt, wie wir uns fühlen.


Kannst du das für dich annehmen, dass du dich niemals, in keinem möglichen Szenario, nur gut und glücklich fühlen wirst? Dass es nicht möglich ist, nur ausschließlich glücklich zu sein? Nicht als Millionärin, nicht als Miss World, nicht als Zen Mönch, nicht als Mensch.

Weil uns mehr als nur das Eine mitgegeben wurde. Uns mehr zur Verfügung steht. Mehr zum Menschsein dazugehört.


Und ist es nicht wahrscheinlich, dass wenn du akzeptierst und Frieden damit schließt, dass diese schwierigen Gefühle einfach mit dazugehören, und dass du immer mal wieder einen schwierigen Tag haben wirst und dass du dein Leben lang auch Traurigkeit, Schmerz und Frustration mit erleben wirst, dass sich noch mehr Frieden einstellen wird?


Manchmal brauchen wir das Glücklichsein gar nicht. Manchmal ist es sogar kontraproduktiv. Manchmal brauchen wir das Schwierige. Denn manchmal müssen wir gedrängt werden, uns zu verändern. Manchmal muss es so ungemütlich werden, dass wir gezwungen sind, uns zu bewegen. Manchmal muss die Krise kommen, um den Weg frei zu räumen, für das, was als nächstes erschaffen werden soll. Denn mal ehrlich, wenn alles immer angenehm wäre, würden wir dann noch wachsen? Würden wir uns noch nach der Decke strecken?

Wir würden uns nicht weiter entwickeln.


Vielleicht ist es gar nicht das Ziel des Lebens, glücklich zu sein. Ich sage extra: das Ziel des Lebens. Vielleicht ist das Ziel des Lebens die Erfahrung der Lebendigkeit. Die Erfahrung des Menschseins. Und wie eben erwähnt, wurden wir nun einmal damit ausgestattet, eine ganze Bandbreite von Erfahrungen zu machen und eine ganze Bandbreite von Dingen zu fühlen.

Vielleicht gehört aber zum Glücklichsein dieses Bewusstsein dazu, nämlich das all das zu einem Menschenleben dazu gehört.

Und vielleicht ist der Schlüssel, auch schwierige Gefühle zu akzeptieren, sie als Teil von uns zu erkennen, uns ihre Berechtigung zu vergegenwärtigen. Sie da sein zu lassen, die guten, die schwierigen, die richtigen, die falschen, die gewollten, die ungewollten. Sodass du die ganze Erfahrung machen kannst, davon was es heißt, ein Mensch zu sein.


Diese vollständige Erfahrung gib uns Bewusstsein. Selbstbewusstsein.

Denn das Schlimmste was passiert ist, dass du ein Gefühl fühlst. Dass du ein schwieriges Gefühl fühlst. Ablehnung. Scham. Bloßstellung. Schmerz. Auch es ist nur ein Gefühl. Eine Vibration, die durch den Körper fließt. Und dann wieder weg ist. Und eigentlich weißt du, dass du damit umgehen kannst. Du weißt, dass es Teil der Gefühlspalette ist. Du weißt, das es kein Fehler ist. Dass es so sein soll. Dass es sich jemand genauso ausgedacht und erschaffen hat.

Sodass du selbstbewusst und sicher im Leben stehen kannst, da du weißt, dass es dazu gehört.


So wie gebrochene Knochen stärker werden können als ungebrochene, so werden auch wir stärker, mit den schwierigen Erfahrungen und Gefühlen, die wir erleben.

Das Schwierige und die Krisen sind nicht wie die Masern; und du erholst dich nicht davon und bist wieder die Person, die du warst, bevor du den Verlust oder die schwierige Phase durchgestanden hast. Wir werden alle permanent durch das Schwierige in unseren Leben, durch Trauer und Schmerz verändert, geformt und stärker. Aus dem Feuer der Schwierigkeit kann Weisheit kommen.


Hörst Du gerne Podcast?

Diesen Beitrag und mehr Impulse und Methoden gegen Angst und zur Persönlichkeitsentwicklung gibt es in meinem Podcast 'Calm is your Superpower'.

Bei Itunes, Spotify, Youtube und auf meiner Webseite.

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