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  • AutorenbildKarla Johanna Schaeffer

Emotional, psychisch und somatisch Erfahrungen verarbeiten


Trauma verarbeiten

Ein Trauma entsteht, wenn unsere Fähigkeit emotionale, psychische und somatische Erfahrungen zu verarbeiten, überwältigt wird.


Zu der Schwierigkeit der Erfahrungsverarbeitung kommt hinzu, dass Menschen sich sehr einsam in einer schwierigen Erfahrung fühlen können, denn niemand erlebt diese Zeit wirklich mit ihnen, niemand kann wirklich verstehen, wie sich diese Erfahrung im Inneren anfühlt, wie sich das Leben durch sie färbt und die Realität solch eines fehlenden Begleiters, kann zu einem großen Gefühl des Alleinseins führen.


Es kann nicht nur als eine Flut unerträglicher Bilder, Gefühle und Empfindungen empfunden werden, sondern Menschen können sich nach einer traumatischen Erfahrung auf einer grundlegenden Ebene mit all dem sehr alleine fühlen.


Wenn wir uns die Zeit und den Raum nehmen und Mitgefühl für uns selbst entwickeln können, kann das ein wichtiger Akt der Selbstfürsorge und der Heilung sein.


Achtsames Selbstmitgefühl: „Möge ich freundlich zu mir sein“


Nach schwierigen Erfahrungen dürfen der Körper und die Psyche gleichermaßen betrachtet werden. Es darf beiden zugehört werden, beide dürfen gehalten, beruhigt, sanft behandelt werden, sodass beide sich gesehen und verstanden fühlen. Wir dürfen Zeuge sein für ihre unerzählten Geschichten und wir dürfen sie wissenlassen, dass sie nun sicher sind, vielleicht zum ersten Mal überhaupt. Etwas weiter unten möchte ich eine Kurzgeschichte von Liz Gilbert mit dir teilen, die dieses Konzept des Selbstmitgefühls erzählerisch verdeutlicht.

Die Geschichten der Psyche und die Geschichten des Körpers wollen von uns gehört werden. So sind es Worte wie die folgenden, die Mitgefühl für sie bedeuten:


"Ja, ich höre dich, ich sehe dich, ich will dich kennen, dich halten, für dich sorgen, dir zuhören.

Ich werde dich nicht vergessen.

Ich werde dich nicht im Stich lassen.

Du darfst sein.

Du bist nicht mehr allein.

Es ist jetzt in Ordnung.

Du bist in Sicherheit.

Selbst wenn du weiter brichst, werde ich die Scherben wieder auf sammeln."


Die Psyche wird sich wieder zusammenfügen, wenn sie sich sicher fühlt. Der Körper wird sich reorganisieren, wenn dieser sich sicher fühlt. Es geht bei einem Heilungsprozess immer um die Sicherheit. Der Mensch kann heilen, wenn er und sein Nervensystem sich wieder sicher fühlen.


Ich möchte also eine kleine Geschichte erzählen. Denn manchmal wissen wir gar nicht, wie wir mit uns selbst umgehen sollen, an Tagen, an denen wir uns leer und ausgelaugt fühlen, uns selber nicht mögen, immer an die gleichen inneren Themen und wunden Punkte stoßen und wir uns von uns selbst oder von anderen vernachlässigt fühlen. Die eigene Strenge und die Ungeduld mit sich selbst innerhalb eines Heilungsprozesses kann ganz schön hart sein. Härte ist aber selten der beste und auch nicht der gewinnbringendste Weg.


Die folgende Geschichte stammt von der amerikanischen Authorin Liz Gilbert:


Sich selbst mit Sanftmut begegnen


"Ich verstehe nicht, was die Leute meinen, wenn sie sagen, dass wir uns selbst lieben sollen", sagt eine Frau. Sie beginnt zu weinen. "Wie soll ich das machen?"


Sie starrt mich mit verzweifelten Augen an, und ich sehe ih ihnen: das vernachlässigte Tier, das in ihr lebt. Also sage ich: "Sie müssen anfangen, sich um Ihr inneres Tier zu kümmern."


Sie sieht verwirrt aus, also fahre ich fort. "Sie müssen aufhören, sich nur als menschliches Wesen zu betrachten und anfangen, sich ebenfalls wie das traumatisierte kleine Tierchen zu behandeln, das ebenfalls in Ihnen lebt."


Ich kann sehen, dass sie immer noch verwirrt ist, also erkläre ich es ihr noch genauer. "Haben Sie schon einmal einen verängstigten Hund in einem Käfig in einem Tierheim gesehen?"


Sie nickt.


"Stellen Sie sich vor, Sie hätten diesen Hund aus einem Tierheim adoptiert. Sie wissen nichts über die Vorgeschichte dieses Tieres - und das müssen Sie auch nicht wissen. Sie können sehen, dass er misshandelt wurde und Angst hat, wieder ausgesetzt oder verletzt zu werden. Und nun stellen Sie sich Folgendes vor: Sie sind zum ersten Mal mit diesem Hund allein zu Hause, und er zittert vor Angst. Wie würden Sie ihn behandeln? Würden Sie ihn anschreien und ihm sagen, dass er ein Idiot ist? Würden Sie ihn treten? Würden Sie ihn in ein dunkles Zimmer sperren, ganz allein? Würden Sie ihn hungern lassen oder ihn einen Haufen Müll essen lassen? Würden Sie ihn in einer Umgebung leben lassen, in der andere Hunde ihn jeden Tag angreifen?"


"Nein", sage die Frau. "Ich würde mich gut um ihn kümmern."


"Aha!", sage ich. "Sie wissen also, wie man ein Tier liebt. Sie würden ihm ein warmes und sicheres Bett bieten, richtig? Gesundes Futter. Eine gemütliche Umgebung. Spaziergänge im Sonnenschein. Frische Luft und sauberes Wasser. Sorgfältige Sozialisierung mit anderen Tieren - netten, die nicht beißen. Nickerchen. Zärtlichkeit. Zuneigung. Spielzeit. Und viel Geduld. So liebt man ein Tierchen."


"Aber das ist ein Tier", sagt sie. "Es ist leicht, ein Tier zu lieben."


"Nun, das sind gute Neuigkeiten, denn Sie sind auch ein Säugetier."


Wir sind Säugetiere. Aber warum denken wir, dass wir so besonders und anders sind, dass wir allein - anders als jedes andere Tier auf der Erde - keine liebevolle Fürsorge verdienen?


Manchmal ist die einzige Möglichkeit, mich von der Selbstkritik oder der Ungeduld mit mir selbst wegzuziehen, mich zu fragen: Wie fühlt sich mein Tier jetzt gerade? Dann bemerke ich mein rasendes Herz, meine zitternden Hände, meinen flachen Atem, meinen verkrampften Magen, meine zittrigen Beine, meinen zusammengebissenen Kiefer... und ich sage: "So sollte ein Tier nicht leben." Ich frage mein Tier, wie es sich besser fühlen würde. Ein Spaziergang im Sonnenlicht? Eine freundliche Stimme? Ein Leckerli? Ein Nickerchen? Mein inneres Tierchen lehrt mich, wie ich mich um es kümmere, und es zeigt mir, wie ich für mich selbst sorgen kann.


An diesem Abend sage ich zu der Frau: "Es ist an der Zeit, dass Sie sich selbst adoptieren. Gott hat Ihnen die Verantwortung für ein liebes und verletzliches Tier übertragen: Für sich selbst. Können Sie diese Verantwortung annehmen?"


"Vielleicht...", sagt sie.


Selbstempathie : Halte zu Dir!


Ich hoffe, sie kann es. Ich hoffe das Gleiche für uns alle - dass wir uns selbst aus dem Tierheim befreien und uns das liebevolle Zuhause geben können, das wir allein durch unser Leben verdient haben.


Gefällt dir die Geschichte? In mir berührt sie etwas.

Vielleicht kannst du dir noch nicht sagen:

"Ja, ich höre dich, ich sehe dich, ich will dich kennen, dich halten, für dich sorgen, dir zuhören. Ich werde dich nicht vergessen. Ich werde dich nicht im Stich lassen. Du darfst sein. Du bist nicht mehr allein. Es ist jetzt in Ordnung. Du bist in Sicherheit. Selbst wenn du weiter brichst, werde ich die Scherben wieder auf sammeln."


Vielleicht aber erhöht diese Geschichte deine Kapazität für das Mitgefühl für dich selbst.


Ich möchte dich fragen: Was kannst du dir und damit deinem inneren Tierchen heute Gutes tun? Mal ist es ein Raubtier, mal ein verängstigtes Reh. Wonach verlangt es? Ein Spaziergang im Sonnenschein? Eine Massage? Eine heiße Badewanne? Viel Schlaf dieses Wochenende? Auf dem Sofa liegen und nichts tun?


Vielleicht schreibst du nun einfach mal ein bisschen dazu und sammelst deine Gedanken:


1. Wonach ist „meinem Tierchen“ in mir Zumute? Was kann ich ihm Gutes tun?


2. Wie sieht Verantwortung zu übernehmen für mich, dem Tierchen in mir, konkret aus?


3. Womit werde ich mich heute beschäftigen, um mir Freude zu bereiten?


4. Habe ich generell genug stille Zeit mit mir selbst?


5. Was liebe ich am meisten an mir? Was sind meine besten Eigenschaften?


6. Wofür bin ich heute dankbar?

Mach dich auf die Suche!



Meine Einladung an Dich:



Begleitung im fünfwöchigen TRE Programm und Stress, Anspannung und Trauma unterstützend zu verarbeiten. 5 Wochen Stress-Detox


Erfahrungsberichte und Klientenstimmen zum Arbeiten mit der TRE Methode hier zum Nachlesen: TRE-Erfahrungen


Erstgespräch vereinbaren: Ich berate dich gerne!


Hörst du gerne Podcast?


Diesen Beitrag und mehr Impulse und Methoden gegen Unruhe, Alltagsstress und den inneren Kritiker gibt es in meinem Podcast 'Calm is your Superpower'.


Bei Itunes, Spotify, Youtube und auf meiner Webseite.

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