top of page

Wenn Ruhe Stress auslöst: Was wirklich in deinem Nervensystem passiert

  • Autorenbild: Karla Johanna Schaeffer
    Karla Johanna Schaeffer
  • 19. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Vielleicht kennst du diesen Moment: Du hast endlich Zeit für dich. Keine Termine, kein Druck, keine Ablenkung. Du setzt dich hin, vielleicht willst du einfach nur entspannen – und plötzlich wird es unruhig in dir.

Dein Körper fühlt sich angespannt an. Deine Gedanken werden lauter. Vielleicht spürst du sogar eine innere Unruhe, die kaum auszuhalten ist.

Und anstatt dich entspannt zu fühlen, denkst du:„Warum kann ich nicht einfach runterkommen?“

Wenn dir das bekannt vorkommt, ist es wichtig, dass du eines weißt: Mit dir ist nichts falsch.

Was du erlebst, ist eine ganz natürliche Reaktion deines Nervensystems.


Warum Ruhe sich nicht immer wie Ruhe anfühlt


Viele Menschen sehnen sich nach Entspannung. Nach einem Zustand, in dem sie loslassen können, in dem der Körper weich wird und der Kopf still.

Doch für dein Nervensystem ist Ruhe nicht automatisch sicher.

Wenn dein System über längere Zeit gelernt hat, aktiv zu bleiben – wachsam, angespannt, funktionierend – dann ist genau dieser Zustand zur Gewohnheit geworden. Er fühlt sich vertraut an, auch wenn er anstrengend ist.

Sobald es ruhiger wird, fehlt plötzlich diese gewohnte Aktivität. Und genau das kann dein Nervensystem irritieren.


Ruhe bedeutet dann nicht Entspannung, sondern: Unbekanntes Terrain.

Und das kann sich schnell wie Stress anfühlen.


Typische Situationen, in denen Ruhe Stress auslöst


Vielleicht erkennst du dich in einer dieser Situationen wieder:

Du liegst abends im Bett, endlich ist der Tag vorbei. Doch statt müde zu werden, beginnen deine Gedanken zu kreisen. Dein Körper fühlt sich wach an, fast angespannt. Einschlafen wird plötzlich schwer.


Oder du setzt dich hin, um zu meditieren oder bewusst zu entspannen. Nach wenigen Minuten merkst du, wie unruhig du wirst. Vielleicht willst du aufstehen, dein Handy checken oder irgendetwas tun – Hauptsache, du musst dieses Gefühl nicht weiter spüren.

Manche erleben es auch im Urlaub. Wochenlang hast du auf diese Pause hingearbeitet. Und kaum bist du angekommen, wirst du innerlich nervös, gereizt oder sogar erschöpft.


All diese Situationen haben etwas gemeinsam: Dein Nervensystem reagiert auf Ruhe mit Aktivierung.


Was wirklich in deinem Nervensystem passiert


Unser Nervensystem ist darauf ausgelegt, uns zu schützen. Es unterscheidet nicht zwischen „gut“ und „schlecht“, sondern zwischen „sicher“ und „nicht sicher“.

Wenn du lange unter Stress standest oder gelernt hast, ständig zu funktionieren, dann kann dein System einen Zustand von Anspannung als „normal“ abspeichern.

Ruhe hingegen ist dann ungewohnt. Und alles, was ungewohnt ist, wird zunächst vorsichtig betrachtet.


In solchen Momenten kann dein Nervensystem reagieren, indem es dich wieder in Aktivität bringt:

  • durch Gedanken

  • durch innere Unruhe

  • durch körperliche Spannung


Nicht, weil etwas schief läuft.Sondern weil dein System versucht, dich in einem Zustand zu halten, den es kennt.


Warum du dich nicht „zwingen“ kannst zu entspannen


Vielleicht hast du schon versucht, dich bewusst zu beruhigen. Tief zu atmen. Dich zu entspannen. Dich „zusammenzureißen“.


Doch oft funktioniert genau das nicht.


Denn Entspannung ist nichts, was man erzwingen kann.Sie entsteht, wenn dein Nervensystem sich sicher genug fühlt.

Wenn du versuchst, Ruhe herzustellen, während dein System noch in Alarmbereitschaft ist, entsteht ein innerer Konflikt.


Ein Teil von dir möchte entspannen.Ein anderer Teil sagt: „Das fühlt sich gerade nicht sicher an.“


Und dieser Konflikt kann sich wie Stress anfühlen.


Wie du dein Nervensystem sanft an Ruhe gewöhnen kannst


Der Schlüssel liegt nicht darin, sofort komplett zur Ruhe zu kommen. Sondern darin, deinem Nervensystem zu zeigen, dass Ruhe in kleinen Schritten sicher sein kann.

Das kann ganz einfach beginnen.

Vielleicht bleibst du nur einen Moment länger sitzen, bevor du nach deinem Handy greifst. Vielleicht nimmst du bewusst wahr, wie dein Körper sich gerade anfühlt, ohne etwas verändern zu wollen.

Auch Bewegung kann helfen. Ein kurzer Spaziergang, sanftes Dehnen oder einfaches Schütteln können deinem System signalisieren, dass es sich zwischen Aktivität und Ruhe bewegen darf.


Wichtig ist vor allem eines: Geh in deinem Tempo.

Du musst dich nicht überwinden oder „durchhalten“.


Dein Nervensystem lernt durch Erfahrung, nicht durch Druck.


Wenn der Körper beginnen darf, Spannung abzubauen

Manchmal braucht dein System mehr als nur bewusstes Wahrnehmen. Es braucht eine Möglichkeit, die angestaute Spannung tatsächlich abzubauen.

Genau hier setzt ein natürlicher Mechanismus des Körpers an: das neurogene Zittern.

Dieses Zittern ist eine angeborene Fähigkeit deines Nervensystems, Stress und Spannung zu entladen. Vielleicht hast du es schon einmal beobachtet – bei Tieren nach einer Stresssituation oder sogar bei dir selbst in bestimmten Momenten.


In einem sicheren Rahmen kann dieses Zittern bewusst eingeladen werden und deinem Körper helfen, nach und nach in einen Zustand von mehr Regulation zu finden.

Diese Methode wird im TRE (Tension & Trauma Releasing Exercises) genutzt.


Ein erster Schritt in Richtung Sicherheit

Wenn du dich in diesem Artikel wiedererkennst, dann ist das kein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt.

Es ist ein Zeichen dafür, dass dein Nervensystem gelernt hat, dich zu schützen.

Und genau dieses System kann auch lernen, wieder mehr Ruhe zuzulassen – Schritt für Schritt, in seinem eigenen Tempo.


TRE kann dich dabei unterstützen, diesen Prozess sanft zu begleiten und deinem Körper eine Möglichkeit zu geben, Spannung auf natürliche Weise abzubauen.

Wenn du das für dich entdecken möchtest, kannst du das in einem geschützten Rahmen bei mir lernen.


Zum Schluss


Vielleicht geht es nicht darum, sofort ruhig zu werden.Vielleicht geht es darum, zu verstehen, warum Ruhe sich manchmal nicht ruhig anfühlt.

Und deinem Körper die Zeit zu geben, die er braucht, um etwas Neues zu lernen:


Dass es sicher ist, nicht ständig in Alarmbereitschaft zu sein.


Und dass du Schritt für Schritt dort ankommen darfst, wo echte Entspannung möglich wird.


Meine Einladung an dich:




Podcast Calm is your Superpower (1 Mio. Dowloads) mit Tipps, Übungen und Meditationen für innere Ruhe und Entlastung im Alltag.

 
 
 

Kommentare


Logo TRE.png

KOSTENLOSER NERVENSYSTEM GUIDE
12 Tipps, die du kennen solltest, wenn du mit
Stress, innerer Unruhe oder Angst kämpfst!

Folge mir auf Instagram für Austausch und Inspiration

  • Instagram

© 2026 Johanna Schaeffer

bottom of page