Wenn sich das Leben taub anfühlt – Wie der Freeze-Zustand unseres Nervensystems uns von uns selbst abschneiden kann
- Karla Johanna Schaeffer
- vor 7 Stunden
- 3 Min. Lesezeit

Es gibt Phasen im Leben, in denen sich alles plötzlich anders anfühlt. Dinge, die früher Freude gemacht haben, wirken farblos. Begegnungen berühren uns weniger. Selbst schöne Momente erreichen uns kaum noch.
Viele Menschen beschreiben diesen Zustand mit Worten wie:
„Ich fühle mich wie abgeschnitten.“
„Als wäre ich innerlich taub.“
„Ich funktioniere, aber ich spüre nichts richtig.“
Wenn du das kennst, bist du nicht allein. Und noch wichtiger: Mit dir ist nichts „falsch“.
Oft ist dieser Zustand kein persönliches Versagen, sondern eine Reaktion unseres Nervensystems auf zu viel Stress oder überwältigende Erfahrungen.
Wenn der Körper auf Schutz schaltet
Unser Nervensystem hat eine wichtige Aufgabe: Es sorgt dafür, dass wir sicher bleiben. Wenn wir Gefahr wahrnehmen – körperlich oder emotional – aktiviert es automatisch Schutzreaktionen.
Die meisten Menschen kennen zwei davon:
Fight (Kampf) und Flight (Flucht).
Doch es gibt noch eine dritte, weniger bekannte Reaktion: Freeze.
Beim Freeze-Zustand schaltet der Körper auf eine Art Notbremse. Wenn Kampf oder Flucht nicht möglich erscheinen, versucht das Nervensystem, uns zu schützen, indem es Energie herunterreguliert und Gefühle dämpft.
Das kann sich äußern als:
emotionale Taubheit
wenig Lebensfreude
das Gefühl, innerlich weit weg zu sein
Müdigkeit oder Energielosigkeit
Schwierigkeiten, sich zu motivieren
wenig Zugang zu eigenen Bedürfnissen oder Gefühlen
ein Gefühl von innerer Leere
Viele Menschen erleben diesen Zustand nach langen stressigen Phasen, Überforderung oder traumatischen Erlebnissen.
Der Körper versucht dann nicht zu schaden – er versucht zu schützen.
Warum sich Freeze so „leer“ anfühlen kann
Im Freeze-Zustand ist unser Nervensystem überfordert. Die Stressreaktion ist so stark oder so lange aktiv gewesen, dass der Körper einen anderen Weg findet, damit umzugehen: Er fährt das System herunter.
Man kann sich das wie eine Sicherung vorstellen, die herausspringt, wenn zu viel Strom durch die Leitung fließt.
Der Preis dafür ist allerdings, dass nicht nur unangenehme Gefühle gedämpft werden – auch Freude, Lebendigkeit und Verbindung werden weniger spürbar.
Das Leben fühlt sich dann oft an, als würde man es eher beobachten als wirklich darin zu sein.
Der Weg zurück ins Spüren
Die gute Nachricht ist: Freeze ist kein endgültiger Zustand.
Unser Nervensystem ist veränderbar und lernfähig. Es kann wieder lernen, sich sicher zu fühlen – Schritt für Schr
itt.
Ein wichtiger Schlüssel dabei ist, den Körper einzubeziehen.
Denn Freeze entsteht im Nervensystem – und genau dort darf auch die Regulation stattfinden.
Gespräche, Erkenntnisse und Verstehen sind wertvoll. Aber oft braucht der Körper zusätzlich Bewegung, Entladung und sanfte Aktivierung, um wieder in Balance zu kommen.
Eine Methode, die dabei unterstützen kann: TRE
Eine körperorientierte Methode, die vielen Menschen hilft, aus dem Freeze-Zustand herauszufinden, ist TRE – Tension & Trauma Releasing Exercises.
TRE nutzt einen natürlichen Mechanismus unseres Körpers: neurogenes Zittern.
Diese sanften Muskelvibrationen können dabei helfen:
angestaute Stressenergie abzubauen
das Nervensystem zu regulieren
Spannungen im Körper zu lösen
aus chronischen Schutzreaktionen wie Freeze herauszufinden
Viele Menschen berichten, dass sie durch TRE langsam wieder mehr Zugang zu ihrem Körper bekommen.
Oft geschieht das ganz behutsam:
Erst ein Gefühl von Entspannung.
Dann mehr Wärme im Körper.
Mehr Atmung.
Und irgendwann tauchen sie wieder auf: Lebendigkeit, angenehme Körpergefühle und echte emotionale Resonanz.
Ein liebevoller Blick auf deinen Weg
Wenn du dich gerade taub, abgeschnitten oder leer fühlst, bedeutet das nicht, dass du für immer so bleiben wirst.
Es könnte einfach bedeuten, dass dein Nervensystem eine lange Zeit versucht hat, dich zu schützen.
Der Weg zurück ins Fühlen passiert selten durch Druck oder Selbstkritik.
Er beginnt meist mit Sanftheit, Verständnis und kleinen Schritten zurück in den Körper.
Dein Körper weiß oft sehr genau, wie Regulation funktioniert. Manchmal braucht er nur den Raum, es wieder zu dürfen.
Und mit der Zeit kann aus Taubheit wieder etwas entstehen, das vielleicht lange gefehlt hat:
Lebendigkeit.
Wärme.
Verbindung.
Und das Gefühl, wirklich im eigenen Leben zu sein.
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