top of page

Long Covid und die Rolle des Nervensystems

  • Autorenbild: Karla Johanna Schaeffer
    Karla Johanna Schaeffer
  • vor 13 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit


Wenn der Körper langsam lernt, sich wieder sicher zu fühlen



Viele Menschen mit Long Covid berichten von einem ähnlichen Gefühl: Der Körper wirkt erschöpft, überreizt oder unberechenbar. An manchen Tagen geht ein bisschen mehr, an anderen plötzlich wieder viel weniger. Das kann verunsichern – und manchmal auch entmutigen.


In den letzten Jahren taucht in Gesprächen und Erfahrungsberichten immer häufiger ein Begriff auf: das Nervensystem. Immer mehr Betroffene beginnen zu spüren, dass Heilung oder Stabilisierung nicht nur mit „mehr Training“ oder „mehr Durchhalten“ zu tun hat – sondern damit, wie sicher und reguliert sich der Körper innerlich fühlt.


Dieser Artikel ist kein medizinischer Rat, sondern eine achtsame Einladung zum Verstehen und Ausprobieren – auf Basis von Erfahrungen, Beobachtungen und dem, was viele Betroffene als hilfreich beschreiben.



Warum das Nervensystem bei Long Covid eine Rolle spielen könnte


Unser autonomes Nervensystem steuert unzählige Körperfunktionen – Herzschlag, Atmung, Energieverteilung, Verdauung und auch, wie wir auf Belastung reagieren. Es kennt grob zwei Zustände:


  • Aktivierung (Alarm/Stress) – wenn der Körper „kämpfen oder fliehen“ möchte

  • Regulation und Erholung (Ruhe/Sicherheit) – wenn Heilung und Regeneration möglich sind



Viele Menschen mit Long Covid berichten, dass sich ihr System lange Zeit wie im Dauer-Alarm anfühlt:


  • schneller Herzschlag oder Kreislaufprobleme

  • schnelle Erschöpfung nach kleinen Belastungen

  • Reizempfindlichkeit (Licht, Geräusche, Stress)

  • das Gefühl, dass der Körper „überreagiert“



Eine mögliche Perspektive (keine medizinische Diagnose):Der Körper könnte noch immer in einem Schutzmodus sein – vorsichtig, wachsam, energiesparend.

Eine Teilnehmerin sagte einmal:


„Ich dachte lange, ich bin einfach schwach geworden. Erst später habe ich gemerkt: Mein Körper versucht die ganze Zeit, mich zu schützen.“

Allein dieser Blick kann schon etwas verändern: Weg vom „Ich muss mich mehr pushen“ – hin zu „Wie kann ich meinem System Sicherheit geben?“




Was das Nervensystem beruhigen kann



Regulation bedeutet nicht, den Körper zu zwingen, ruhig zu sein. Es bedeutet eher, ihm immer wieder kleine Signale zu geben:Du bist sicher. Du darfst loslassen.

Viele Betroffene berichten, dass besonders kleine, sanfte Impulse helfen.



1. Langsamer werden – wirklich langsam

Nicht nur weniger tun, sondern:

  • Bewegungen bewusst verlangsamen

  • Pausen einplanen, bevor die Erschöpfung kommt

  • nach Aktivität bewusst nachspüren



Eine Betroffene erzählte mir:

„Früher habe ich Pausen gemacht, wenn ich schon völlig erschöpft war. Jetzt mache ich sie, wenn es mir noch gut geht. Das war ein Wendepunkt.“


2. Atem als Signal für Sicherheit


Sanftes, ruhiges Atmen kann dem Nervensystem signalisieren, dass keine Gefahr besteht.

Ein einfacher Ansatz:

  • Einatmen durch die Nase

  • Ausatmen etwas länger als einatmen

  • ohne Druck, nur 1–2 Minuten

Wichtig: Wenn Atemübungen Stress auslösen, lieber abbrechen – jede Regulation darf sich angenehm oder neutral anfühlen.



3. Orientierung im Raum

Eine einfache Übung aus körperorientierten Ansätzen:

  • langsam im Raum umschauen

  • Farben, Formen oder Lichtquellen bemerken

  • Füße auf dem Boden spüren

Das kann dem Körper helfen, im Hier und Jetzt anzukommen.



4. Mikro-Bewegungen statt Training

Statt „Sport“:

  • Schultern sanft kreisen

  • Hände reiben

  • leichtes Dehnen im Liegen

Das Ziel ist nicht Leistung, sondern sanfte Aktivierung ohne Überforderung.



5. Kleine Inseln von Wohlgefühl

Das Nervensystem lernt über Erfahrung.

Fragen, die helfen können:

  • Was fühlt sich gerade ein kleines bisschen angenehm an?

  • Wärme?

  • Musik?

  • Ein ruhiger Ort?

  • Eine Tasse Tee bewusst trinken?


Viele kleine positive Momente sind oft wirksamer als große Maßnahmen.



Wenn Heilung nicht linear verläuft


Ein wichtiger Punkt: Regulation bedeutet nicht, dass es sofort besser wird. Es gibt Auf und Abs.


Ein Teilnehmer aus einem TRE Kurs sagte einmal:

„Früher habe ich jeden Rückschritt als Scheitern gesehen. Jetzt sehe ich: Mein System lernt. Manchmal braucht es einfach länger.“

Dieser Perspektivwechsel kann viel Druck nehmen.



Was TRE® dabei unterstützen kann


TRE® (Tension & Trauma Releasing Exercises) ist eine körperorientierte Methode, bei der über sanfte Übungen ein natürliches Zittern im Körper angeregt wird. Dieses neurogene Zittern ist ein natürlicher Mechanismus, den viele Säugetiere nutzen, um Stress abzubauen.

Viele Menschen mit Long Covid berichten, dass sie dadurch:


  • mehr Körperwahrnehmung entwickeln

  • Spannungen loslassen können

  • ihr Nervensystem besser verstehen lernen

  • ein Gefühl von innerer Ruhe oder Erdung erleben


Wichtig ist dabei ein sehr sanfter, angepasster Einstieg und gute Begleitung – besonders bei erhöhter Erschöpfung oder Sensibilität.

In meinem TRE®-Kurs liegt der Fokus deshalb auf:

  • langsamen, sicheren Schritten

  • viel Raum für Pausen

  • Lernen, die eigenen Grenzen zu spüren

  • Übungen zur Selbstregulation für den Alltag

  • einem verständnisvollen Rahmen ohne Leistungsdruck


Viele Teilnehmende sagen am Ende nicht: „Ich bin wieder gesund“ – sondern:

„Ich verstehe meinen Körper jetzt viel besser. Und ich weiß, wie ich ihn unterstützen kann.“

Ein liebevoller Gedanke zum Schluss


Wenn du mit Long Covid lebst, leistet dein Körper vermutlich jeden Tag mehr, als man von außen sieht.

Vielleicht geht es im Moment nicht darum, stärker zu werden.Vielleicht geht es darum, dass dein Nervensystem wieder lernen darf:

Es ist sicher.Du darfst langsamer werden.Du musst dich nicht mehr überfordern, um gesund zu werden.


Und manchmal beginnt genau dort der Weg zurück zu mehr Kraft.







Podcast Calm is your Superpower (1 Mio. Dowloads) mit Tipps, Übungen und Meditationen für innere Ruhe und Entlastung im Alltag.



 
 
 

Kommentare


Logo TRE.png

NEWSLETTER +
12 TIPPS DIE DU KENNEN SOLLTEST

WENN DU MIT ANGST, PANIK ODER STARKEM STRESS KÄMPFST

Folge mir auf Instagram für Austausch und Inspiration

  • Instagram

© 2023 Johanna Schaeffer

bottom of page