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  • Karla Johanna Schaeffer

Der Selbstheilungsmechanismus, der in uns allen eingebaut ist.



Wir alle haben einen Selbstheilungsmechanismus, der in uns eingebaut ist. Welcher das ist und wie du ihn nutzen kannst möchte ich dir erklären.

Wichtig zu verstehen ist, dass wenn wir einer akuten Stress- oder Paniksituation ausgesetzt sind, der Körper antwortet.

Bei einem hohen Stresspegel reagiert der Körper instinktiv und nicht mit dem Verstand. Unser Hirnstamm, der älteste Teil des Gehirns, antwortet mit einer Instinktreaktion.

Bei vermeintlicher ‚Gefahr‘ werden Stresshormone ausgeschüttet, die den Körper in Alarm versetzen. Das Energielevel wird hochgefahren, die Herzfrequenz steigt, die Muskeln spannen an – wir sind in Alarmbereitschaft.

Bei Stress, bei Ängsten, bei Panikattacken findet eine Übererregung im Körper statt.

Diese Aktivierung hat uns das Leben gerettet, als wir damals vor wilden Tieren wegrennen oder uns ihrer erwehren mussten. Das ist heute nicht mehr der Fall. Heutzutage lässt uns eben dieser biologische Ablauf im Alltag, der für viele von uns durchaus ‚Daueralarm‘ bedeutet, in einer Hochspannungschleife feststecken.

Wenn diese Stressreaktion des Körpers Dauerzustand ist, macht sie uns mürbe, müde und krank und wir erleben zum Beispiel Panikattacken als Symptom.

Dabei sind es nicht nur die Anforderungen unseres modernen Job- und Familienalltags, die das Alarmsystem aktivieren. Ich glaube, dass auch tiefsitzende Emotionen wie Angst, Schuldgefühle, Trauer und Scham ein inneres Feld von verstecktem, chronischem Stress erzeugen.

Fakt ist, dass unsere Immunfunktionen geschwächt sind, wenn Stresshormone wie Cortisol das Nervensystem in einem konstanten Ausnahmezustand halten. Fakt ist auch, dass viele unserer mentalen Fähigkeiten beeinträchtigt werden, wenn Stresshormone im Körper ansteigen.

Was tun?

Wie kann man also diesem körperlichen Automatismus entgegenwirken, wenn gar nicht das wilde Tier den körperlichen Ausnahmezustand auslöst, sondern nur der Exmann, dessen Name auf dem Display erscheint, oder die Geschäftsmail, die morgens früh um 7 Uhr eintrudelt? Oder einfach nur ein Angstgedanke, der aber eben auch den ganzen Instinktprozess im Körper auslöst und ihn in den Ausnahmezustand versetzt.

Ich möchte dir das neurogene Zittern vorstellen, den Selbstheilungsmechanismus, von dem ich am Anfang gesprochen habe. Mit dem neurogenen Zittern können wir tiefe Muskelanspannungen und Stresssymptome im Körper lösen können.

Es geht darum, dass wir einen Stresspegel im Körper haben, der sich allein mit dem Willen nicht lösen lässt. Daher nähern wir uns dem Ganzen auf einer tieferen Ebene, über das autonome Nervensystem.

Wir nutzen dabei den natürlichen Zittermechanismus im Körper wie ein Überdruckventil. Wir zittern unsere Anspannung und unser Unwohlsein wortwörtlich ab.

Der Körper kann durch das neurogene Zittern Stresshormone reduzieren, Muskelverhärtungen lösen, das Nervensystem entspannen und sich selbst wieder in das natürliche Gleichgewicht, die Homöostase zurückführen.

Wir entladen also die Anspannung und entleeren uns damit des Stresses.

Ganz wortwörtlich schütteln wir unseren Stress einfach ab. Wir geben dieser hohen Energie einen Kanal, damit sie sich entladen kann.

Du kennst das Muskelzittern vielleicht schon vereinzelt vom Yoga oder aus dem Sport. TRE® setzt diesen Mechanismus ganz gezielt ein. Der Effekt ist ein umfassendes und befreiendes Sich-lösen. Aufkommende Empfindungen und Gefühle lernen wie wahrzunehmen und zu regulieren.

Es empfiehlt sich sehr, die Übungen unter Begleitung zu erlernen. Denn frag Dich einmal, wann hast du das letzte Mal so richtig gezittert?

Zittern – mehr als Schwäche und Kontrollverlust.

Vielleicht kannst du das zuhause beobachten, kleine Kinder zittern noch, wenn sie sich fürchten. Oder wenn sie wütend sind. Da kommt etwas an und es wird herausgelassen. Wenn eine den Organismus überfordernde Situation entsteht, reagieren Kinder noch mit dem natürlichen Ventil des Körpers, diese Anspannung abzuleiten.

Wir Erwachsenen dagegen haben längst gelernt, diese Körperfunktion weitestgehend zu unterdrücken, um nicht schwach, überfordert oder wenig souverän zu erscheinen.

Dieser Beitrag ist auch kein Aufruf zum unkontrollierten Zittern. Sondern eine Ermutigung, das neurogene Zittern in einem geschützten Raum unter anfänglicher Anleitung und kontrolliert einzusetzen, um die Stressenergie abzuleiten. Und uns selbst zu befreien. Das neurogene Zittern ist kein Symptom, sondern der Heilungsvorgang.

Eine der häufigsten Fragen, die ich bei meiner Arbeit gestellt bekomme ist:

‚Funktioniert das auch bei mir?‘

Ja! Der Mechanismus funktioniert bei jedem. Die Evolution hat uns dieses Ventil als Selbstheilungsmechanismus in die Wiege gelegt. Dass wir damit an unser genetisches Erbe anschließen, zeichnet diese Methode aus.

Jedes Säugetier auf diesem Planeten verfügt über diesen Mechanismus und kann ihn nutzen. Wenn ein Reh vom Wolf gejagt wird und entwischt, kann man beobachten, wie es sich einen sicheren Platz sucht und beginnt zu zittern. Es kann dadurch die akute Anspannung, die Todesangst der Verfolgungsjagd wegzittern und ableiten. Um dann weiter zu grasen, als sei nichts geschehen.

Innere Sicherheit finden.

Es geht bei Stress und Angst darum, dass ein Teil des Nervensystems die Umgebung nicht als sicher einschätzt. Vielleicht kennst du das Gefühl, so langsam die Kontrolle zu verlieren, wenn der Stress dich übermannt. Das Sicherheitsgefühl und die Gelassenheit schwinden langsam, wenn alles drunter und drüber geht.

Diese Empfindung können wir nicht direkt mit dem Willen beeinflussen.

Wenn wir es aber schaffen eine tiefere Ebene zu erreichen, die des autonomen Nervensystems, die Ebene, auf der die Instinktreaktionen im Gehirn getriggert werden, dann können wir unseren auf Alarmbereitschaft eingestellten Körper und Geist zurücksetzen und beruhigen.

Es geht immer um Sicherheit.

Wir können uns helfen, wenn der Körper begreift, dass er sicher ist.

Wenn sich der Körper durch das neurogene Zittern entspannt, können das Gehirn und die Muskeln die emotionale Aufladung und körperliche Anspannung abbauen und loslassen.

Dr. David Berceli hat die Zitterübungen entwickelt, um Muskelanspannungen aus dem Psoas Muskel – oder auch „Muskel der Seele“ – zu lösen, jenem großen Muskel, der den Oberkörper mit den Oberschenkelknochen verbindet. Dieser starke und tiefe Muskel speichert körperlichen, emotionalen und mentalen Stress, den wir im Laufe unseres Lebens angesammelt haben und in unseren Körpern tragen. Genau deshalb ist er auch so interessant für die moderne Traumaforschung, allen voran geprägt durch Peter Levine und Bessel van der Kolk. Für mehr Details über den Muskel der Seele, kannst du dir meine Podcastfolge extra dazu anhören.

Tatsächlich können wir mit dieser Körpertherapie vieles verarbeiten und lösen, was wir vielleicht schon Jahre mit uns herum schleppen.



Hörst Du gerne Podcast?

Diesen Beitrag und mehr Impulse und Methoden gegen Angst gibt es in meinem Podcast 'Calm is your Superpower'.

Bei Itunes, Spotify und auf meiner Webseite.

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© 2020 Johanna Schaeffer

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