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Fawning - Die Traumareaktion des Sich-Klein-Machens


Fawning Traumareaktion Karla Johanna Schaeffer


Viele von uns biegen falsch ab, um in Verbindung zu kommen und akzeptiert zu werden.


Ist Fawning eine Traumareaktion? Was Du darüber wissen musst.


People Pleasing, Harmonisieren- und Besänftigen-Wollen, Erstarren und Wegducken, all das wird unter dem englischen Begriff Fawning neben Fight, Flight, Freeze als vierte Traumareaktion bezeichnet. Sie scheint harmlos und ist vielleicht deshalb so heimtückisch, weil sie gesellschaftlich akzeptiert ist und sogar belohnt wird, sodass kaum darüber sprechen oder sie überhaupt bemerken.


Was ist das Fawing genau?


Fawning ist eine Traumareaktion, bei der ein Mensch ein stets beschwichtigendes Verhalten entwickelt, um Konflikte zu vermeiden und damit ein Gefühl der Sicherheit generieren zu können. Wir stimmen Dingen zu, die wir eigentlich gar nicht wollen, um die Gefühle unserer Mitmenschen zu besänftigen. Wir geben vor d‘accord mit etwas zu sein und fröhlich zu sein, obwohl wir es nicht wirklich sind. Wir wollen gefallen und tun Dinge, die uns eigentlich nicht entsprechen. Wenn wir in diesem Rechtmach-Modus sind, sagen wir den Menschen um uns herum im Grunde, was sie hören wollen.


Vielleicht fühlst du dich als eine Version von dir, die nicht wirklich du selbst sein kann, und die Menschen reagieren somit auf eine Version von dir, die du eigentlich gar nicht bist.


Auch wenn es dir leicht fällt, für andere einzutreten, fällt es dir vielleicht schwer oder ist es sogar unmöglich, für dich selbst einzustehen. Du versuchst vielleicht, diejenigen zu "besänftigen", die dich schlecht behandeln, oder ignorierst deine eigenen Bedürfnisse, um Streit und Konflikte zu vermeiden. Als eine Form von Trauma ist die Beschwichtigungsreaktion ein ungesunder Abwehrmechanismus, der die psychische Gesundheit ernsthaft beeinträchtigen kann.


Anzeichen dafür, dass Deine Grenzen verletzt werden, von Dir selbst und von Anderen.


Wenn wir über uns selbst hinweggehen und unsere Körper auf einmal mit Stressreaktionen, Entzündungen, Burnout und Autoimmunerkrankungen reagieren, dann dürfen wir uns mit der vierten Traumareaktion, dem Fawning etwas näher befassen.


Wenn Menschen in einer "gefährlichen" Umgebung aufwachsen, werden manche aggressiv (Kampfreaktion), andere laufen weg (Fluchtreaktion), wieder andere fühlen sich unfähig gute Entscheidung für sich selbst zu treffen (Erstarrungsreaktion). Das Beschwichtigen-Müssen und Harmonie-Herstellen-Müssen ist noch stärker verbreitet. Viele Menschen wachsen damit auf. Wir bringen uns dazu oder wurden darauf gepolt, still zu halten, wenn wir uns eigentlich bewegen wollen, hatten Körperkontakt und mussten uns umarmen, herzen, anfassen lassen, obwohl wir gar nicht berührt werden wollen. All das schien damals akzeptabel, weil ein anderer Mensch sich dadurch besser fühlen konnte.

Wir bekommen auch heute nicht wirklich beigebracht jemandem zu sagen: "Mir gefällt nicht, wie du mich angefasst hast", oder "Ich fühle mich gestresst, wenn du so mit mir sprichst"? Wir bekommen nicht beigebracht, auf unseren Körper zu hören, der uns spiegelt, was wir empfinden.


Fawn Response – wenn Freundlichkeit ein Zwang ist


Durch die Entwicklung einer "fawn trauma response" versuchen Menschen Konflikte ganz zu vermeiden, indem sie es dem übergriffigen Mitmenschen recht machen wollen. Bei manchen Menschen kann das Wegducken zu einem normalen Verhaltensmuster werden, das sie bis ins Erwachsenenalter beibehalten, vor allem wenn sie es mit toxischen Beziehungen oder konfliktreichen Situationen zu tun haben. Menschen mit diesem Verhaltensmuster können leicht mit narzisstischem Verhalten eines Gegenübers in Berührung kommen, wobei das Fawning einen gefährlichen Kreislauf der Co-Abhängigkeit schaffen kann.


Die Traumareaktion Fawning ist etwas unschuldiges, weil es völlig unbewusst ist und aus einem generationenübergreifenden Verhalten/Trauma herrührt. Irgendwann in deinem Leben oder im Leben deiner Eltern, oder noch viel früher, war es bedrohlich, die eigene Wahrheit zu sagen oder zu leben. Diese Information bleibt in unseren Zellen, bis sie freigesetzt wird. Und diese Information lautet: Deine Wahrheit = Bedrohung.


Die Schattenseite des Liebseins und People-Pleasings kann ein tiefer Groll und Aggression sein, die der Betroffene in sich fühlt. Das Besänftigen-Müssen erleben wir als Grenzüberschreitung. Wenn wir aufhören können, es allen rechtmachen zu wollen und über uns selbst hinwegzugehen, hören wir auch auf, wütend zu sein. Was meinst du was diese Erleichterung für deinen Organismus bedeuten würde?


Auswege aus dem Fawning. Wie die "Fawn"-Reaktion ent-lernt werden kann.


Wir leben unbewusst mit der Angstreaktion, indem die eigenen Wahrheiten ständig überwacht, moduliert und nicht zuviel davon gezeigt wird, um uns sicher fühlen zu können.


Wir befreien diese unbewusste Reaktion, indem wir sie bewusst machen. Das kannst du jetzt sofort tun. Frage dich: Wann lächle ich, sage „Ja“ oder zeige Interesse, obwohl ich es gar nicht will? Wie fühlt es sich in meinem Körper an, wenn ich das tue? Würde ich tatsächlich bedroht werden oder sein, wenn ich damit aufhöre es allen recht zu machen, oder fühlt es sich nur so an?


Jemand bürdet uns etwas auf oder sagt etwas zu uns oder behandelt uns auf eine bestimmte Weise und wir denken: "Warum habe ich das zugelassen?" Oder jemand sagt zu uns: "Warum bist du denn nicht für dich eingestanden?


Die Antwort lautet: Traumareaktion. Genauer gesagt: Erstarren und Wegducken.


Zunächst einmal ist die Reaktionen reflexartig und automatisch. Das heißt, wir können uns nicht aussuchen, welche der vier Stresssituationen "wir einsetzen", bzw. unser Nervensystem für uns wählt. Stattdessen reagiert der Körper reflexartig mit Fight, Flight, Freeze oder Fawn, je nachdem, wie dein Nervensystem die Situation eben einschätzt.


Zu erstarren, völlig perplex zu sein, sich klein machen, wegzuducken und den Fehler bei sich suchen IST eine Reaktion. Der Körper zieht sich nach innen zurück, erzeugt Stille und ahmt den Tod nach, bis die Bedrohung vorüber ist oder die Situation endet. Bis das ein Gegenüber soweit besänftigt werden konnte.

Der Körper treibt sich selbst an, um sich sozial mit der Bedrohung auseinanderzusetzen, in der Hoffnung, die bedrohliche Person so weit zu beschwichtigen mit unterwürfigem Verhalten, dass du die Erfahrung überlebst.


Wie kann ich mit der Scham über meine Fawning-Reaktion umgehen?


In der linearen Welt der Logik und des Urteils erscheinen die beiden Reaktionen Freeze und Fawn, Erstarren und Wegducken, schwach und unwirksam und sorgen in Situationen von übergriffigem Verhalten für Verwirrung in uns und in anderen. In Wirklichkeit entscheiden unsere Körper instinktiv innerhalb einer Nanosekunde, wie sie auf bedrohliche Situationen reagieren und der Körper fragt nicht nach unserem Input oder unserer Zustimmung. Es ist derselbe Mechanismus, der uns zum Niesen und Gähnen führt.


Es kann eine Demut und ein tiefes Mitgefühl in dir entstehen, wenn du innehältst und darüber nachdenkst, was das bedeutet. Für diejenigen, die sich nicht trauen jemandem etwas entgegenzusetzen oder eine Grenze zu ziehen, darf das Bewusstsein entstehen:

Du bist nicht kaputt oder schwach.

Dein Körper ist nur auf eine Reaktion fixiert, die ihm in der Vergangenheit geholfen hat, zu überleben, sodass er sich entschieden hat, in diesem Modus zu verharren, auch wenn er das nicht muss, weil er sich dort sicher fühlt.


Fawning führt dazu, dass dein Verstand und deine Stimmbänder „Ja“ sagen, während die tiefste Zellstruktur deines Körpers „Nein“ sagt. Stell dir den Kampf vor, der in deinem Inneren stattfindet... Es dreht sich dir der Magen ums, dir wird heiß, dein Herz rast. Was glaubst du, was in jeder Zelle passiert, wenn deine innere Wahrheit nicht mit dem was du tust übereinstimmt? Du beginnst einen Kampf mit dir selbst, den viele Menschen körperlich spüren können. Und wir verprügeln uns buchstäblich selbst dafür, dass wir unser Nein" selbst nicht respektieren und mit einem "Ja" antworten.


Hallo Autoimmunkrankheit, hallo Überforderung, hallo Körper, der sich selbst bekämpft!

Dein Körper greift Dich an, weil er aus tiefstem Herzen "Nein" sagen will.


Du bist nicht kaputt oder schwach.

Dein Körper ist auf eine Reaktion fixiert, die ihm in der Vergangenheit geholfen hat, zu überleben, sodass er sich entschieden hat, in diesem Modus zu verharren, weil er sich dort sicher fühlt.



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