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Die vier universellen Stress & Traumareaktionen


Die vier universellen Stress und Traumareaktionen Karla Johanna Schaeffer
Die vier universellen Stress und Traumareaktionen

Ich glaube, es ist eine große Hilfe zu verstehen, was eigentlich im Körper passiert bei einer überfordernden Situation und bei anhaltendem Stress.

Um ein Vertrauen, ein Verständnis für den Körper aufzubauen und um lockerer sein zu können sodass wir weniger Angst fühlen.

Das Verstehen, was diese biologische Reaktion eigentlich ist, die in Stresssituationen abläuft, kann helfen sich nicht so ausgeliefert, hilflos und ohne Kontrolle zu fühlen.

Deshalb stelle ich heute die vier Stressreaktionen vor, die bei einer den Organismus fordernden oder sogar überfordernde Stresssituation auftreten, denn unsere Körper reagieren mit einer dieser vier Instinkt-Reaktionen.

Dies geschieht aus Reflex, aus Instinkt, nicht weil wir es so wollen oder mit dem Verstand beeinflussen können.


Das Nervensystem und die Reaktion des Nervensystems zu verstehen ist entscheidend, um eine überfordernde, vielleicht sogar traumatische Situation zu verarbeiten.

Menschen die ein Trauma erleben, können sich nicht wirklich erholen, bis sie ihre Körperreaktionen und Empfindungen gelernt haben zu verstehen und sich mit ihnen ‚angefreundet‘ haben.

Wenn wir Angst haben, leben wir in einem Körper, der ständig auf Gefahr vorbereitet ist.

Wenn wir viel wütend sind, leben wir in einem wütenden, aufbrausenden Körper. Die Körper von traumatisierten Menschen sind angespannt und defensiv, bis sie einen Weg finden, um sich zu entspannen und endlich wieder sicher zu fühlen.

Um das tun zu können, müssen wir die Empfindungen wahrnehmen lernen und lernen wie der Körper mit der Umwelt interagiert. Körperliche Selbst-Wahrnehmung ist ein wichtiger Schritt, um die Vergangenheit zu bewältigend.

Unser Nervensystem entscheidet, ob es angesichts Gefahr mit Angriff, Flucht oder Erstarren reagiert und versucht uns durch seine Gefahrenhaltung zu schützen. Mit diesen Instinktreaktionen will sich das Nervensystem sein Überleben sichern.

Es ist wichtig zu erkennen, dass dies keine kognitive, keine verstandesmäßige Reaktion ist.

Ob wir es realisieren oder nicht, die meisten von uns kennen drei klassische Reaktionen auf Angst - nämlich 'Kampf', 'Flucht' und 'Einfrieren'. Und auch die vierte Reaktion, die 'Unterwerfung', kennen die meisten von uns.

Wenn unser Gehirn eine Bedrohung in unserer Umwelt wahrnimmt, wechseln wir automatisch in einen dieser Stressreaktionsmodi. Aus evolutionärer Sicht, also früher als Steinzeitmenschen oder auch heute noch bei akuter Gefahr, haben uns diese Reaktionen gute Dienste geleistet, da wir schnell auf Bedrohungen reagieren und uns in Sicherheit bringen können. Aber für Menschen, die längere Zeit Stress, Angst oder Trauma ausgesetzt waren, fühlt es sich auch anschließend nicht so an, als ob diese Stressreaktion verschwunden wäre, sodass viele Menschen in diesen Körperzuständen „stecken bleiben“.


Beispielsweise gibt es Menschen, die bei einer kleinen Provokation sehr wütend reagieren. Sie reagieren mit dem Kampf-Modus. Oder die ständig ängstliche Person, die zwischenmenschliche Konflikte meidet, indem sie sich in Arbeit oder in Büchern oder im Zuhause vergräbt (Flucht). Oder die Person, die sich ständig durch ihre Unfähigkeit Entscheidungen zu treffen, besiegt fühlt (Einfrieren).

In unserem Alltag können(!) sich die Reaktionen auf folgende Weise äußern:


Kampf (Fight)

Menschen, die von Natur aus zur Kampfreaktion neigen glauben, dass Macht die Sicherheit und Kontrolle garantiert, die ihnen in ihrer Kindheit oder einer hilflosen Situation fehlte. Bei der Fight-Reaktion wartest du nicht lange ab sondern legst direkt los. Du wehrst dich verbal oder körperlich. Wir reagieren über, sind reaktiv und schalten bei Stress auf Angriff.

Normalerweise assoziieren wir die Kampfreaktion mit Männern, aber auch Frauen können mit Wut kämpfen. Obwohl in vielen Fällen ihre Wut nach innen, gegen sich selbst gerichtet wird, anstatt auf andere.


Flucht (Flight)

Menschen, die zur Fluchtreaktion neigen sind normalerweise chronisch beschäftig und flüchten sich ins Tun. Sie glauben vielleicht, dass 'perfekt sein' ein todsicherer Weg ist, um Liebe und Sicherheit zu empfangen und dass sie so verhindern können, von wichtiger Menschen in ihrem Leben verlassen zu werden. In Stresssituationen flüchten wir, auch vor Konflikten und versuchen uns so der Gefahr zu entziehen.


Einfrieren (Freeze)

Menschen die zur 'Abschaltreaktion' neigen, erstarren sozusagen bei akutem Stress.

Einfrieren ist eine Form der Immobilisierung. Es ist eine der letzten Strategien des Körpers, die er angesichts der überwältigenden ‚Bedrohung‘ hat. Es kann sich anfühlen als ob du die Beziehung zu deinem Körper verlierst, es ist ein ‚Abschneiden‘ von Gefühlen und Empfindungen. Wir fühlen uns körperlich oder geistig 'eingefroren', entziehen uns und flüchten in unsere innere Welt.


Im Englischen nennen sich diese klassischen Stressreaktionen: 'Fight, flight, freeze'.

Aber es gibt tatsächlich noch eine vierte Reaktion, im Englischen ‚Fawning‘.

Es ist die Unterwerfungsreaktion. Fight, flight, freeze and fawn.


Es ist die Instinktreaktion sich zu unterwerfen, mit dem Resultat Konflikten aus dem Weg zu gehen. Auch der Drang zu gefallen und gemocht zu werden, um sich etwas sicherer zu fühlen in zwischenmenschlichen Beziehungen gehört dazu.

Es ist eine schlecht angepasste Methode, um Sicherheit in unseren Verbindungen zu anderen zu schaffen, indem im Wesentlichen die imaginären Erwartungen und Wünsche anderer Menschen antizipiert und priorisiert werden.

Dieses Unterwerfen oder Bittstellen hat zur Folge, dass wir emotional abschalten. Je weniger wir eigene Gefühle haben, desto einfacher ist es, sich an die Emotionen anderer Menschen anzupassen und diese zu berücksichtigen.


Reaktionen bei Fawning können sein:

Nicht sagen zu können, wie wir wirklich denken oder fühlen

Sich zu unserem eigenen Nachteil um andere zu kümmern

Zu Anfragen immer 'Ja' zu sagen

Anderen zu schmeicheln

Mit geringem Selbstwertgefühl zu kämpfen

Konflikte zu vermeiden

Sich ausgenutzt fühlen

Sehr besorgt darüber zu sein, zu anderen zu passen, nicht gut genug zu sein

Schwierigkeiten zu haben, sich von anderen 'gesehen' zu fühlen

Ein ‚Ich kann jetzt nicht‘ oder ‚Nein danke‘ werden häufig zu ‚Gar kein Problem‘ oder ‚Natürlich übernehme ich das‘

Sich verantwortlich zu fühlen für die Reaktionen anderer


Bei dieser Stressreaktion fällt es uns schwer uns selber Raum zu geben und unsere Bedürfnisse auszudrücken.

Wenn du deine Heilungsreise beginnen (oder fortsetzen) möchtest, musst du wissen:

Du verdienst deinen Raum!

Du bist genug, so wie du bist!

Deine Gedanken, deine Gefühle, deine Meinungen und deine Grenzen sind wichtig!


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Diesen Beitrag und mehr Impulse und Methoden, um Ängste zu bewältigen gibt es in meinem Podcast 'Calm is your Superpower'.

Bei Itunes, Spotify und auf meiner Webseite.

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