Suche
  • Karla Johanna Schaeffer

Innere Sicherheit, wenn das Leben chaotisch spielt


Innere Sicherheit Karla Johanna Schaeffer

Egal wieviel innere Arbeit wir geleistet haben, wieviel Therapie und Auseinandersetzung, egal wie belastbar du geworden bist, egal wie zukunftssicher du dir deine Pläne vor Augen hältst - das Leben gibt dir manchmal die gelegentliche Erinnerung, dass du nicht alles zu jeder Zeit unter Kontrolle hast.


Dir wird klar, dass du nicht immer vorhersagen kannst, was als nächstes kommt.

Es gibt Elemente in unserem Leben, die wir nicht vorhersehen können und die manchmal in diesen Momenten keinen Sinn ergeben.

Vielleicht entsteht das Gefühl, dem Leben nicht immer trauen zu können.

Ich tu mich besser damit, mir klarzumachen, dass ich mein Leben nicht kontrollieren kann.

Stattdessen dürfen wir einen Weg finden, uns selber zu vertrauen.


Dir selber zu vertrauen, heißt nicht zu glauben, dass du niemals mehr verletzt werden wirst oder dass keine Krise mehr kommen wird.

Dir selber zu vertrauen heißt auch nicht, dass es sicherer für dich ist, wenn du dich nichts mehr traust und du dich mehr und mehr vergräbst.

Sondern du gelangst zu der Erkenntnis und der Akzeptanz, dass Schmerz und Angst und Frustration Teil davon sind, ein Mensch zu sein.

Zu heilen bedeutet für mich, trotzdem weiter zu machen. Weiter machen zu können.

Deine Kraft und deine Macht und dein Vertrauen kommen dann zu dir zurück, wenn du begreifst, dass das was dich ausmacht, dir niemals weggenommen werden kann.

Dass die größte Sicherheit und dein größter Schatz, in dir selber sind.


Deine ganze Kraft steckt in dir. Dein Rückzugsort ist in dir. Dein Körper ist dein Zuhause und der Ort, an dem du dich ausruhen kannst, dich selber trösten kannst, ausharren und auftanken kannst.


Wenn alles drunter und drüber geht und wir aus Angst heraus handeln, dann meistens, indem wir versuchen, das Geschehen und das Leben irgendwie kontrollieren zu wollen.

Das gibt dir auch direkt Verständnis dafür, wieso andere Menschen versuchen dich oder die Umstände kontrollieren zu wollen. Ohne Erfolg natürlich. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es auch hier aus einer Angst heraus geschieht.

Angst manifestiert sich häufig, indem sie uns erstarren lässt, uns immobilisiert und wir unseren Blick von einem bestimmten Thema nicht abwenden können.

Vielleicht musst du dich ständig neu informieren, wie viele Todesopfer Covid heute gebracht hat, oder es ist ein anderes Thema, das dich betrifft. Brutalität, Politik, Naturkatastrophen, Scheidungsrate, Krankheitssymptome.

Das ist in Ordnung, wir alle haben unsere Themen, die unsere Angst schüren.


Ich möchte dir einen Juwel mitgeben, nämlich, dass du dir selber mit Mitgefühl begegnest, in deiner Angst. Auch wenn sie komplett irrational ist.

Jede Angst wird durch irgendeinen Reiz, den unser Gehirn wahrnimmt, initiiert und nur weil du eine intensive Angst spürst, heißt das nicht, dass du in einer tatsächlichen Gefahr schwebst. Was es heißt ist, dass du intensive Gedanken über ein bestimmtes Thema hast, die sich dann in deinem Körper als intensive Angstgefühle und einen gefühlten Notstand äußern.

In vielen Fällen kreiert unser Supercomputer namens Gehirn diese Angst, nicht das gefährliche Leben oder die Welt.

Und es ist wichtig, dass du diesen Fakt nicht einfach links liegen lässt. Du kannst dir bewusst machen, mit welchen Angstgedanken du deine Angst fütterst. Mit welchen Informationen und Katastrophen-Nachrichten du deine Angst schürst, um bewusster auszuwählen, mit welchen Themen, Gedanken und Atmosphären du dich weiter umgeben willst.


Wenn mir ein Gedanke akut Angst macht, ich mich schlecht und traurig fühle, dann habe ich herausgefunden, dass mir nur eine Strategie hilft.

Nämlich mir zu sagen: ‚Ja Johanna, ich hab Angst und ich fühle mich verloren. Und das ist ok. Mich verloren und alleine zu fühlen, ist auch Teil meiner menschlichen Erfahrung. Angst zu haben, ist ein Gefühl. Es ist eine Vibration und Anspannung in meinem Körper. Es heißt nicht, dass ich in Gefahr bin.‘

Dann atme ist sehr bewusst und lande noch bewusster in meinem Körper.

Für manche heißt das, zu weinen. Für manche heißt das, zu zittern. Einige spüren feine Körperempfindungen, manche erleben sie sehr stark körperlich. Es unterscheidet sich für uns alle, Angst zu fühlen und sie da sein zu lassen.


Ich frage mich in solchen Momenten: ‚Ach du liebe, was ist denn das Problem?‘

Und ich lasse es zu, mich so zu fühlen, wie es nun eben gerade ist.

‚Ich haben Angst, dass ich nicht weiß, was diese Zeit noch alles für mich bringt.‘

Oder: ‚Ich habe Angst alleine zu sein.‘

Oder es zeigen sich schlicht irrationale (Angst)Gedanken.


Ich tröste mich selber. Ich gehe dorthin, wo ich mir zugestehen kann, dass ich Angst und Unsicherheit fühle. Ich nehme meine Gefühle ernst, genauso, wie wenn es eine gute Freundin wäre, die ich tröste. Auch wenn manche Schlussfolgerungen und Ängste keinen Sinn ergeben. Ich würdige, dass ich dieses Gefühl habe. Hör meinen eigenen Gedanken zu. Es ist ein Prozess. Wir machen uns unsere Gefühle und Gedanken bewusst. Wir fühlen sie. Und verstehen welche Gefühle diese Gedanken zur Folge haben.


Wir haben Angst vor unserer Angst. Wir haben Angst vor unseren eigenen Angstgedanken. Wir haben Angst davor, die Panik, die Ohnmacht, die Hilflosigkeit zu fühlen, die unsere Angstgedanken erzeugt.


Der nächste Schritt ist, Friedlichkeit zu üben. Ich glaube, das ist etwas, was wir auch neben der Angst üben können und nicht etwas, das sie ersetzen kann oder soll. Sondern es ist wie ein Ko-Existieren.

Du landest dabei ganz im jetzigen Moment. Kommst in der Realität des Momentes an. Du fühlst dich auf der Erde, im Raum und sagst dir Gedanken wie: ‚Ich bin ok. Mir geht es gut. Ich bin hier in meiner Wohnung, in meinem Bett und werde dich verschluckt von einem Erdloch.‘ Oder was auch immer dein Angstgedanke eben ist. ‚Gerade jetzt ist alles ok. Ich bin hier. Es ist warm. Ich liege unter der Bettdecke. Es besteht keine Gefahr. Ich bin sicher. Ich kann mit diesem Moment umgehen. Mir geht es nicht schlecht. Ich bin nicht krank. Mir tut nichts weh. Niemand und nichts bedroht mich. Ich bin sicher. Und ich bin stark. Es ist alles in Ordnung, jetzt gerade. Ich kann mit diesem Moment umgehen. Ich kann mit meinem Gefühl umgehen. Es ist alles ok. Ich bin sicher. Ich kann dieses Gefühl fühlen und ich bin trotzdem ok. Es passiert mir nichts.‘


Das sind Gedanken, die du dir selber beibringen möchtest. Die du dir selber sagst und an die du dich halten kannst. Wir drücken die Angst damit nicht weg. Wir machen sie nicht ungeschehen. Sondern wir lernen, mit einem Gefühl zu sein. Angst zu haben und trotzdem ok zu sein. Ich kann Angst haben und mich trotzdem erinnern, dass alles in Ordnung ist. Ich habe Angst und das ist ok.


Der erste Schritt ist die Anerkennung und die Bereitschaft, wirklich anwesend zu sein. Du kannst es fast vor dir hersagen: ‚Traurigkeit, Angst, Unsicherheit, Sehnsucht‘, als ob du dich diesem Gefühl beugen würdest und es respektierst. Sprich es laut aus. Dadurch kann sich das Gefühl öffnen - vielleicht sogar ein wenig verstärken am Anfang - aber dann wird es weicher. Der nächste Schritt besteht darin, ein Gefühl des Mitgefühls für all die Ängste, Unsicherheiten und die Hilflosigkeit zu entwickeln.

Diese Gefühle sind alle Teil des ‚Fight or Flight‘ Modus im Körper. Wenn ich Platz für die Gefühle mache und sie Zeit haben, gefühlt zu werden, ist es so, als würde mein Bewusstsein größer und ich kann all dies mit größerer Leichtigkeit und Mitgefühl sowie Präsenz und Beständigkeit halten.


Wir bringen uns also zurück in den jetzigen Moment. Raus aus dem Kopf und den Angstgedanken. Raus aus den Worst-Case-Szenarien. Wir landen zurück in der Realität. In der wir nicht bedroht werden. Selbst mit der Angst, sind wir ok und sicher.


Und dann nimmst du vielleicht wahr, dass du überschüssige Energie oder Anspannung im Körper hast. Dass dein Körper surrt oder zittert.

Das ist die Energie und die Anspannung, die Tiere beispielsweise 'wegzittern', wenn sie gejagt wurden. Die Todesangst, der sich ein Tier entledigt, das fast gefressen wurde.

Die Energie und die Anspannung, das Adrenalin, das durch das Blut schießt, wenn ein Tier von einem Raubtier verfolgt wird.

Wir werden in diesen Angstmomenten aber nicht von Raubtieren gejagt oder von Naturkatastrophen bedroht aber unsere Angstgedanken lösen die gleichen Körperreaktionen in uns aus. Unsere Gedanken werden zu Raubtieren.

Also spürst du das Adrenalin, die Stressreaktion und die Anspannung in dir. Es fühlt sich nach ungenutzter Angst, manchmal sogar Todesangst an. Nach ungenutztem Adrenalin.

Und dieser ungenutzten Energie, Anspannung, Adrenalin können wir uns entledigen. Durch das neurogene Zittern der TRE® Methode.


Durch einen körpereigene Zittermechanismus, den die Tiere uns vormachen. Durch dieses natürliche Ventil des Körpers, mit dem wir die Energie und Anspannung ableiten können uns uns von etwas Überschüssiges befreien können.

Wie eine volle Blase, die wir entleeren.

Um wieder frei zu sein. Um wieder weiter machen zu können.

Das Reh, das gejagt wurde, entkommen ist, gezittert hat, kann wieder weiter grasen, als sei nichts passiert.

Und auch wir können uns frei zittern, um weiter zu machen, weil wir uns wieder auf 0 gesetzt haben. Mit der Zeit und dem Üben schaffen wir es immer mehr zum Reset.


Bis wir mehr bei uns selber ankommen und uns unsere eigenen Ressourcen erschließen und wieder anfangen können, uns selber zu vertrauen, fühlen wir uns wahrscheinlich nie richtig ganz.

Sicherheit ist nicht nur ein Gefühl oder ein Ort oder ein Gedanke, es ist eine Art zu sein.

Wenn wir wieder bei uns ankommen, können wir verinnerlichen, dass alles in Ordnung ist, nicht weil alles so verläuft, wie wir es ursprünglich geplant oder gehofft hatten, sondern, weil wir sicher in uns sind und uns anpassen können, auch wenn es chaotisch draußen ist.

Ein Zuhause in dir selbst zu schaffen bedeutet zu wissen, dass du dich immer wieder selbst beruhigen kannst. Zur Friedlichkeit zurückkehren kannst, nicht weil du dich immer und jederzeit wohl fühlen wirst, sondern weil du bereit bist, dich auch mal unwohl zu fühlen, um das Leben zu leben, dass dir gegeben wurde.


Was wir in einer seltsamen Zeit wie dieser am dringendsten brauchen, ist eine Möglichkeit, uns selber zu stabilisieren.


Hörst du gerne Podcast?

Diesen Beitrag und mehr Impulse und Methoden gegen Angst und Stress gibt es in meinem Podcast 'Calm is your Superpower'.

Bei Itunes, Spotify, Youtube und auf meiner Webseite.

207 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen