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PTBS und posttraumatisches Wachstum - Zwischen Schmerz und Stärke: PTBS verstehen – und behutsam Raum für Wachstum finden

  • Autorenbild: Karla Johanna Schaeffer
    Karla Johanna Schaeffer
  • 23. Sept. 2020
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 19. März


PTBS und posttraumatisches Wachstum Karla Johanna Schaeffer

Es gibt Erfahrungen im Leben, die sich nicht einfach „verarbeiten“ lassen. Sie bleiben im Körper, im Nervensystem, in Erinnerungen, die sich manchmal wie gegenwärtig anfühlen. Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist kein Zeichen von Schwäche – sondern eine zutiefst menschliche Reaktion auf etwas, das zu viel, zu überwältigend, zu plötzlich war.


Dieser Text ist eine Einladung: zum Verstehen, zum Mitgefühl mit sich selbst – und vielleicht auch zu einem vorsichtigen Blick darauf, dass neben all dem Schmerz auch etwas anderes entstehen kann. Nicht muss.


Was bedeutet PTBS?


PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) kann entstehen, wenn ein Mensch eine extrem belastende oder bedrohliche Situation erlebt hat – etwa Gewalt, Unfälle, Krieg, Verlust oder andere traumatische Ereignisse.


Typische Erfahrungen einer PTBS können sein:

  • Wiedererleben (Flashbacks, Albträume)

  • Vermeidung (von Orten, Gedanken oder Gefühlen)

  • Übererregung (ständige Anspannung, Schreckhaftigkeit)

  • Gefühle von Taubheit oder Entfremdung


Wichtig ist:

Diese Reaktionen sind keine „Überreaktion“. Sie sind der Versuch deines Systems, dich zu schützen.


Und was ist posttraumatisches Wachstum?


Der Begriff posttraumatisches Wachstum beschreibt eine mögliche Entwicklung, die manche Menschen im Laufe ihrer Verarbeitung erleben. Dabei geht es nicht darum, das Trauma „gutzureden“ oder ihm einen Sinn aufzuzwingen.


Es geht vielmehr um Veränderungen wie:

  • ein tieferes Verständnis für sich selbst

  • neue Werte oder Prioritäten

  • intensivere zwischenmenschliche Beziehungen

  • ein gewachsenes Gefühl von innerer Stärke

  • eine neue Perspektive auf das Leben


Ganz wichtig:Wachstum bedeutet nicht, dass das Trauma „nützlich“ war oder „sein musste“.Es bedeutet lediglich, dass Menschen manchmal Wege finden, trotz allem etwas Neues in sich zu entdecken.


Ein sensibles Gleichgewicht: Schmerz anerkennen – ohne ihn zu relativieren


Viele Betroffene reagieren verständlicherweise skeptisch auf den Begriff „Wachstum“. Vielleicht klingt er wie eine Erwartung. Oder wie ein Druck, „etwas Positives daraus machen zu müssen“.

Doch darum geht es nicht.


Du darfst:

  • wütend sein

  • traurig sein

  • dich verloren fühlen

  • keine „Lehre“ darin sehen

Und gleichzeitig kann – irgendwann, ganz leise – Raum entstehen für:

  • kleine Momente von Selbstmitgefühl

  • ein Gefühl von „Ich habe überlebt“

  • vorsichtige Hoffnung


Beides darf nebeneinander existieren.


Wie kann man sich vorsichtig für Wachstum öffnen?


Nicht als Ziel. Nicht als Aufgabe. Sondern eher wie ein Fenster, das man vielleicht irgendwann einen Spalt weit öffnet.


1. Sicherheit zuerst

Ohne ein Gefühl von Sicherheit (innerlich oder äußerlich) ist Wachstum kaum möglich. Stabilisierung ist kein Umweg – sie ist der Weg.


2. Kleine Schritte statt großer Erwartungen

Wachstum zeigt sich oft nicht in großen Erkenntnissen, sondern in leisen Veränderungen:

  • ein klar gesetztes „Nein“

  • ein Moment von Ruhe

  • ein bisschen mehr Selbstfreundlichkeit


3. Die eigene Geschichte selbst bestimmen

Du entscheidest, welche Bedeutung deine Erfahrungen haben. Niemand darf dir sagen, dass du „daran wachsen solltest“.


4. Unterstützung annehmen

Therapie, Selbsthilfegruppen oder vertrauensvolle Menschen können helfen, einen sicheren Raum zu schaffen, in dem Entwicklung möglich wird.

5. Dem eigenen Tempo vertrauen

Es gibt kein „richtiges“ Tempo. Kein „zu langsam“. Kein „zu spät“.


Eine sanfte Perspektive zum Schluss


Vielleicht fühlt sich Wachstum für dich gerade sehr weit weg an. Vielleicht sogar falsch. Das ist völlig in Ordnung.


Vielleicht besteht Wachstum im Moment einfach darin, den nächsten Tag zu überstehen.Vielleicht darin, diesen Text zu lesen.Vielleicht darin, dir selbst zu erlauben, genau da zu sein, wo du bist.


Du musst nichts aus deinem Schmerz machen.

Aber du darfst – wenn es sich eines Tages stimmig anfühlt – entdecken, dass du mehr bist als das, was dir passiert ist.

Und dass in dir, trotz allem, etwas Lebendiges geblieben ist.


Wie TRE dabei unterstützen kann, wieder Halt zu finden


Eine körperorientierte Methode, die in der Traumabegleitung zunehmend Beachtung findet, ist TRE (Tension & Trauma Releasing Exercises).


Die Idee dahinter ist behutsam und zugleich kraftvoll:

Unser Körper speichert Stress und traumatische Erfahrungen oft in Form von Spannung. TRE nutzt gezielte Übungen, um ein natürliches neurogenes Zittern im Körper auszulösen – eine Reaktion, die viele Säugetiere ganz selbstverständlich zur Stressregulation nutzen.

Warum kann das hilfreich sein?


  • Der Körper darf entladen, ohne alles „erzählen“ zu müssenNicht jedes Erleben lässt sich in Worte fassen. TRE arbeitet über den Körper – und ermöglicht so einen Zugang, der nicht über Sprache gehen muss.


  • Das Nervensystem lernt langsam wieder, in die Regulation zu findenDurch das Zittern können Spannungen abgebaut werden. Viele Menschen berichten von mehr Ruhe, besserem Schlaf oder einem Gefühl von „wieder im eigenen Körper ankommen“.


  • Selbstwirksamkeit wird gestärktTRE kann – gut angeleitet – zu einer Methode werden, die man selbst anwenden kann. Das kann ein wichtiges Gefühl von Kontrolle und Einfluss zurückbringen.


  • Es entsteht vorsichtig wieder Raum für VertrauenNicht als Sprung, sondern als Prozess: Vertrauen in den eigenen Körper, in die eigene Wahrnehmung – und manchmal auch wieder ein Stück weit ins Leben.


Wichtig dabei:TRE sollte, besonders bei starken traumatischen Erfahrungen, nicht allein und unbegleitet begonnen werden, sondern idealerweise mit geschulten Fachpersonen. Sicherheit und Dosierung stehen immer im Vordergrund.


Wenn du betroffen bist: Du bist nicht allein. Und du musst diesen Weg nicht alleine gehen.


Und vielleicht darf Schritt für Schritt – ganz in deinem Tempo – wieder etwas entstehen, das sich nach Halt anfühlt.



Meine Einladung an dich:


Erlerne die TRE Methode zur unterstützenden Verarbeitung von Erlebtem



Hörst Du gerne Podcast?

Diesen Beitrag und mehr Impulse und Methoden gegen Stress und Ängste gibt es in meinem Podcast 'Calm is your Superpower'.

Bei Itunes, Spotify und auf meiner Webseite.

 
 
 

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