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Was tun, wenn Angst plötzlich da ist?Erste Hilfe für Körper und Gedanken

  • Autorenbild: Karla Johanna Schaeffer
    Karla Johanna Schaeffer
  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit


Es gibt Momente, in denen Angst sich plötzlich in unser Leben drängt. Vielleicht beginnt es mit einem schnellen Herzschlag. Vielleicht mit einem diffusen Gefühl von Unruhe im Bauch, einem Druck in der Brust oder Gedanken, die sofort in Richtung Katastrophe springen.

Viele Menschen, die zu starkem Grübeln oder zum sogenannten „Katastrophisieren“ neigen, kennen dieses Gefühl sehr gut: Ein kleines Symptom taucht auf – und innerhalb von Sekunden malt der Kopf das schlimmstmögliche Szenario.

Und dann beginnt ein Kreislauf:Der Körper reagiert auf die Gedanken. Die Gedanken reagieren auf die Körpersignale. Und plötzlich fühlt sich alles sehr real, sehr bedrohlich und sehr überwältigend an.


Wenn du das kennst, ist es wichtig, zuerst eines zu hören:

Du bist nicht allein. Und dein Körper ist nicht dein Feind.



Wenn der Körper in Alarmbereitschaft geht


Angst ist zunächst einmal ein uraltes Schutzsystem unseres Körpers. Es stammt aus einer Zeit, in der schnelle Reaktionen überlebenswichtig waren. Wenn Gefahr drohte, schaltete der Körper sofort in den sogenannten Fight-or-Flight-Modus – Kampf oder Flucht.

Das Problem: Dieses System unterscheidet nicht besonders gut zwischen einem echten Tiger im Wald und einem beunruhigenden Gedanken im Kopf.

Deshalb kann Angst sehr körperlich werden.


Typische körperliche Symptome sind zum Beispiel:

  • Herzklopfen oder Herzrasen

  • Druck oder Engegefühl in der Brust

  • Schwindel oder Benommenheit

  • Zittern oder innere Unruhe

  • Kribbeln in Händen, Füßen oder im Gesicht

  • flacher oder schneller Atem

  • Übelkeit oder ein „flauer“ Bauch

  • Muskelanspannung

  • ein Gefühl von „Unwirklichkeit“


Wenn diese Symptome auftreten, fühlt es sich oft so an, als sei etwas ernsthaft falsch.

Doch in vielen Fällen passiert etwas anderes:

Der Körper befindet sich einfach im Alarmmodus.

Adrenalin wird ausgeschüttet, die Muskeln spannen sich an, der Atem beschleunigt sich – alles Vorbereitungen für Bewegung und Schutz.

Das fühlt sich intensiv an. Manchmal sogar beängstigend.

Aber es ist in vielen Fällen kein Zeichen von Gefahr, sondern ein Zeichen von Aktivierung.



Warum der Kopf so schnell katastrophiert


Unser Gehirn hat eine besondere Eigenschaft: Es ist darauf programmiert, Gefahren früh zu erkennen. Evolutionär gesehen war das ein Vorteil.

Heute kann dieses System jedoch überempfindlich werden.

Ein Gedanke wie:

„Was ist, wenn mit meinem Herzen etwas nicht stimmt?“

kann innerhalb von Sekunden weiterwandern zu:

„Was, wenn ich gleich zusammenbreche?“

Und plötzlich reagiert der Körper tatsächlich stärker – was wiederum den Gedanken bestätigt.

So entsteht ein Angstkreislauf.

Der wichtige Punkt ist:

Gedanken sind nicht automatisch Fakten.

Und auch starke Körperreaktionen bedeuten nicht automatisch, dass etwas Gefährliches passiert.



Eine kleine Anekdote aus dem Alltag


Eine Klientin erzählte einmal, dass sie im Supermarkt plötzlich Herzrasen bekam. Ihr erster Gedanke war:

„Oh nein, ich bekomme hier gleich einen Herzinfarkt.“


Innerhalb von Sekunden wurde ihr schwindelig, sie begann zu schwitzen und wollte sofort den Laden verlassen.


Später stellte sich heraus: Sie hatte an diesem Tag kaum gegessen, zwei Kaffee getrunken und war ohnehin gestresst gewesen.


Ihr Körper war schlicht überaktiviert.

Als sie begann, die Symptome eher als Welle im Nervensystem zu sehen statt als Bedrohung, änderte sich etwas. Die Angst verlor nach und nach ihre Macht.



Erste Hilfe bei akuter Angst

Wenn Angst gerade stark ist, hilft es oft, den Körper zuerst zu beruhigen – nicht die Gedanken.

Hier sind einige einfache Strategien:


1. Den Atem verlängern

Atme langsam durch die Nase ein und etwas länger durch den Mund aus.

Zum Beispiel:4 Sekunden einatmen – 6 Sekunden ausatmen.

Eine längere Ausatmung signalisiert dem Nervensystem:„Es ist gerade sicher.“


2. Den Körper spüren

Setze beide Füße bewusst auf den Boden.

Spüre:

  • die Schwere deiner Beine

  • den Kontakt zum Boden

  • vielleicht deine Hände auf den Oberschenkeln

Das bringt das Nervensystem zurück aus dem Kopf in den Körper.


3. Die Angst als Welle betrachten

Angst funktioniert oft wie eine Welle. Sie steigt an, erreicht einen Höhepunkt und fällt dann wieder ab.

Viele Menschen versuchen, gegen sie zu kämpfen. Paradoxerweise verstärkt das häufig die Angst.

Manchmal hilft der Satz:

„Mein Körper ist gerade aktiviert. Das darf da sein. Die Welle geht auch wieder vorbei.“


4. Bewegung

Ein kurzer Spaziergang, leichtes Ausschütteln der Arme oder langsames Dehnen kann helfen, überschüssige Stressenergie abzubauen.

Der Körper wurde schließlich für Bewegung aktiviert.



Der Schlüssel liegt im Nervensystem


Viele Strategien gegen Angst konzentrieren sich ausschließlich auf Gedanken.

Doch Angst entsteht häufig im Nervensystem – nicht nur im Kopf.

Deshalb können körperbasierte Methoden besonders wirkungsvoll sein.


Dazu gehören zum Beispiel:

  • Atemarbeit

  • sanfte Bewegung

  • Üben der Körperwahrnehmung

  • Meditation

  • und Methoden zur Entladung von Stress im Nervensystem


Eine sehr interessante Methode in diesem Bereich ist TRE – Tension & Trauma Releasing Exercises.



TRE – den Körper zittern lassen, um Stress zu lösen

TRE wurde von Dr. David Berceli entwickelt und nutzt einen natürlichen Mechanismus unseres Körpers: neurogenes Zittern.

Viele Tiere zittern nach einer Stresssituation – etwa nach einer Flucht. Dadurch entlädt sich die Spannung im Nervensystem.

Beim Menschen unterdrücken wir dieses Zittern häufig.

TRE nutzt gezielte Übungen, um dieses natürliche Zittern sanft zu aktivieren. Dadurch kann der Körper gespeicherte Spannung lösen und das Nervensystem wieder in einen ruhigeren Zustand zurückfinden.

Viele Menschen berichten nach regelmäßiger Praxis von:

  • weniger innerer Anspannung

  • besserem Schlaf

  • reduzierter Angst

  • einem ruhigeren Gedankenfluss


Es ist, als würde der Körper lernen:

„Ich darf wieder aus dem Alarmmodus herauskommen.“



Ein letzter, wichtiger Gedanke

Wenn Angst sehr präsent ist, kann es sich anfühlen, als würde sie nie wieder verschwinden.

Doch Angst ist kein permanenter Zustand.Sie ist eine Reaktion eines sehr sensiblen, sehr wachsamen Nervensystems.


Und Nervensysteme können lernen.

Mit Geduld.

Mit Selbstmitgefühl.

Und mit Methoden, die Körper und Geist gleichermaßen beruhigen.


Vielleicht darf heute ein erster kleiner Schritt sein:


Ein tiefer Atemzug.Ein Moment, in dem du deinem Körper sagst:


„Danke, dass du mich beschützen willst. Aber gerade ist alles okay.“


Und manchmal beginnt genau dort die erste spürbare Ruhe.




Meine Empfehlungen an dich:






Podcast Calm is your Superpower (1 Mio. Dowloads) mit Tipps, Übungen und Meditationen für innere Ruhe und Entlastung im Alltag.



 
 
 

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