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  • Karla Johanna Schaeffer

Was tun, wenn Dein Herzschlag Dir Angst macht



Dass unser körperliches Empfinden auch Einfluss auf unsere Psyche hat, ist nichts Neues.


Die Verbindung von Körper und Psyche beschäftigt seit Jahren die Forschung.

Wenn wir als Menschen denken, fühlen und handeln, dann tun wir das nicht nur im Kopf, - körperlos - unsere psychische oder mentale Wahrnehmung steht in engstem Zusammenhang mit den Vorgängen in unserem Körper.


Nimm dir mal einen Moment Zeit, um auf deinen Körper und alle darin enthaltenen Empfindungen zu achten. Fokussiere dich auf deinen Herzschlag und versuche, jeden Schlag zu bemerken und zu fühlen. Wie stark kannst du das Schlagen spüren? Denkst du, du fängst jeden Schlag auf oder bemerkst du nur jeden zweiten, jeden dritten Schlag?


Diese Fähigkeit, den Herzschlag zusammen mit anderen inneren Empfindungen im Körper zu fühlen, wird als Interozeption – als Innenschau bezeichnet. Es ist das Gegenteil von Exterozeption – das sind Signale, die wir von der Außenwelt wahrnehmen und verarbeiten, wie z. B. zu sehen, hören oder berühren.


Interozeption hilft uns im Normalfall dabei, unseren Körper zu regulieren – interozeptive Signale zeigen uns, wann wir hungrig sind, Durst haben oder wann wir pinkeln müssen, damit wir etwas dagegen tun können und unseren Körper zurück zur Balance führen.


Unsere inneren Empfindungen interagieren auf sinnvolle und überraschende Weise mit unseren Emotionen, Gedanken und Gefühlen.


Wissenschaftler, die untersuchen, wie wir unseren Körper fühlen, stellen fest, dass insbesondere das Herz oder der Herzschlag eine direkte Verbindung zum Gehirn und zu unserem mentalen Zustand darstellen kann.

Dein Herzschlag kann beeinflussen, wie du dich fühlst und wie intensiv du etwas fühlst. Es kann dich davon ablenken, dich an Dinge zu erinnern, oder er kann dich dazu bringen, dich stärker an Zustände und Gefühle zu klammern.

Im Laufe des Tages schlagen unsere Herzen um die 100.000 Mal und wir sind uns dessen meistens nicht bewusst, denn wir fühlen nicht die einzelnen Schläge.


Jedes Mal, wenn dein Herz schlägt, sendet es ein Signal an dein Gehirn. Es signalisiert ihm, dass alles in Ordnung ist, wenn es ruhig und gleichmäßig schlägt oder aber, dass wir uns in Acht nehmen sollen, wenn es anfängt schneller zu pumpen.

Ein schnelleres Pumpen muss aber nichts gefährliches bedeuten, es entsteht heutzutage allein beim Erblicken unserer To-Do Liste oder einer aufkommenden Deadline, die uns in einen inneren Stresszustand versetzen.

Wenn unser Gehirn eine ‚Bedrohung‘ in unserer Umwelt wahrnimmt, wechseln wir automatisch in einen Stressreaktionsmodus. Du spürst das Adrenalin in deinem Blut, dein Körper spannt sich an, dein Herz beginnt zu pumpen, du fängst an zu schwitzen. Wir stehen wortwörtlich unter Strom und sind im Alarmzustand.

Aus evolutionärer Sicht, also früher als Steinzeitmenschen oder auch heute noch bei tatsächlicher Gefahr, haben uns diese Reaktionen gute Dienste geleistet, da wir schnell auf Bedrohungen reagieren und uns in Sicherheit bringen können. Aber für Menschen, die längere Zeit Stress, Angst oder Trauma ausgesetzt waren, fühlt es sich so an, als ob diese Stressreaktion ein Dauerzustand ist, mit all ihren körperlichen Symptomen.

Es scheint vielleicht so, als ob das unsere emotionalen Zustände und unsere Gefühle sind, die das Verhalten unseres Herzens bestimmen. Wenn wir Angst haben, schlägt unser Herz schneller. Aber es ist eigentlich eine andersherum: Unsere Gefühle werden von Signalen beeinflusst, die von unserem Körper kommen.

Wenn unser Herz zum Beispiel pocht und schnell schlägt, vielleicht sogar rast, führt diese körperliche Empfindung zu dem, was wir als "Angst" kennen. Wir bekommen nicht Angst und dann lässt es unser Herz schneller schlagen. Unsere Herz rast und macht uns Angst. Unser Herz rast und wir bekommen Angst.


Menschen, die ängstlich sind, können sich übermäßig auf ihre körperlichen Empfindungen konzentrieren. Sie empfinden jede Körperempfindung als unheimlich und sorgen sich, dass eine Panikattacke oder ein Herzinfarkt aus ihr entstehen könnte.


Bei Anspannung, bei Stress, bei traumatischen Erlebnissen und bei Angstzuständen ist das Problem, dass sich diese Muster nicht bewegen. Gefühlsmuster, die sich bewegen und verändern sind gut und richtig. Wir werden wütend. Wir beruhigen uns wieder. Wir werden traurig. Wir lachen wieder. Wir können uns stets wieder regiulieren.

Die Gefühle allerdings, die kommen und für eine lange Zeit bleiben, wie z.B. ein ungelöster Schmerz oder ungelöste Trauer oder eine beständige Angst, sind Zustände in denen der Körper unter Daueralarm steht.


Beruhige Dich, mit diesen drei Empfehlungen


Tatsächlich können wir uns aber aus diesem inneren Alarm befreien.

Du bemerkst, dass dein Herz schlägt und der Herzschlag sich verändert. Versuch keine Angst zu haben. Dein Herz schlägt für dich. Atme langsam ein und noch langsamer wieder aus. Wir haben Sensoren in unserer Lunge, die wenn wir den Atem bewusst beruhigen, den Herzschlag beruhigen.

Wenn wir schnell atmen, steigt dein Herzschlag. Die meisten inneren Organe sind miteinander verbunden über den Vagusnerv und haben direkten Einfluss aufeinander.

Unser Herz ist phänomenal und mal schlägt es eben schnell und manchmal weniger schnell. Das ist Gesundheit und es ist positiv, ein anpassungsfähiges Herz zu haben, das schnell UND langsam schlägt. Beruhige dich mit diesen Gedanken und ein paar tiefen Atemzügen.


Was hilft noch, wenn du vor deinem Herzschlag Angst hast? Oder anders gesagt, wenn dein Herz kleine Spielchen mit dir spielt und anfängt schneller zu klopfen, obwohl keine Gefahr droht.

Solange du nicht lernst, Vertrauen in deinen Körper zu finden, wirst du immer wieder abhängig davon sein, dass andere dir sagen, das alles in Ordnung ist. Der Arzt, dein Freund, der Kardiologe. Versuche daher zu lernen, deinem Körper zu vertrauen.


Dieses Vertrauen entsteht, wenn wir den Körper mit seinen Stresssymptomen beruhigen können. Ich empfehle die TRE® Methode (Tension and Trauma Releasing Exercises) – auch bekannt als das 'neurogene Zittern'.

Diese Körpertherapie ermöglicht es uns, eine innere Aufregung, Überlastung und den beschriebenen Alarmzustand in kurzer Zeit zu reduzieren und den Körper zurück zur Balance zu führen.


Ich empfehle außerdem, die TRE® Übungen unter professioneller Ableitung zu lernen, um gut mit aufkommenden Empfindungen umgehen zu können und eine richtige ‚Dosierung‘ zu üben.


Du kennst mit Sicherheit dir Stimme, neben deiner Angst, die dir sagt: ‚Das ist wieder nur die Angst‘. Hör auf diese Stimme. Atme langsam und tief, fühl die Unterlage, auf der du sitzt und sag dir, ‚Alles ist gut.‘

Und es ist nur natürlich, dass deine Aufmerksamkeit immer wieder zu deinem Herzen geht. Es fühlt sich immerhin sehr essentiell an, was dort geschieht.


Viele weitere Tipps, Empfehlungen und Beruhigungen findest du auch in meinem Podcast 'Calm is your Superpower', bei Itunes, Spotify und auf meiner Webseite.




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