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  • Karla Johanna Schaeffer

Bauchgefühlt abtrainiert - Wie Du es zurück erlangst



Was ist Bauchgefühl? Dieses manchmal mulmige Gefühl, das wir bekommen, wenn uns etwas als nicht wirklich richtig vorkommt oder andersherum, das Gefühl intuitiv zu wissen, dass etwas genau richtig ist für uns.

In beiden Fällen, schickt uns unser Nervensystem Signale. Unser Darm und unser Gehirn sind über den Vagusnerv und auch durch chemische Botenstoffe, die Neurotransmitter genannt werden verbunden, die helfen, Gefühle und Empfindungen zu kontrollieren.


Ausgekleidet mit Millionen von Nervenzellen (Neuronen), hilft das Verdauungssystem nicht nur bei der Nahrungsverdauung, sondern auch bei der Steuerung unserer Gefühle.


Die Interozeption ist dein Gefühl für den inneren Zustand deines Körpers. Sie ermöglicht es dir, deine inneren Organe, Muskeln und Haut zu "fühlen". Dies gibt uns die Möglichkeit, "einzuchecken", wie sich die Dinge in unserem Körper anfühlen. Durch diese Innenschau kannst du feststellen, ob du dich müde, hungrig, energiegeladen oder krank fühlst. Sie ist auch die Grundlage dafür, wie wir unsere Gefühle "fühlen". Eben dieser Sinn für unsere Köperwahnehmung und die Verbundenheit mit dem inneren Zustand unseres Körpers, kann auch unsere Entscheidungsfindung auf einer unterbewussten Ebene beeinflussen. Unser Unterbewusstsein erkennt Muster und Zusammenhänge - was wir oft als "Bauchgefühl" bezeichnen - lange bevor unser logisches Gehirn die Informationen überhaupt wahrnimmt.


Kulturell haben wir gelernt unser Bauchgefühl außer Acht zu lassen. Aber es ist ein entscheidendes Element unserer Fähigkeit, auch schwierigen Erfahrungen zu begegnen und sie zu bewältigen.

"Bauchgefühl" ist mehr als nur eine Redewendung. Studien zeigen, wie der Vagusnerv - ein großer Nerv, der sich vom Gehirn bis zum Bauchraum erstreckt und auf dem Weg dorthin mit Organen verbunden ist – wie Bauchgefühle (und auch Angst) an das Gehirn weiterleitet. Es wurde erforscht, dass Signale die vom Darm zum Gehirn über den Vagusnerv gelangen, die Reaktion des Gehirns beeinflussen.


Zu lernen, deinen Instinkten zu vertrauen, dein intuitives Gespür dafür zu nutzen was das Beste für dich ist, oder wie du etwa Gefahr erkennst, ist das A und O für jeden dauerhaften Erfolg. Auf die stille, kleine Stimme der Intuition zu vertrauen ist vor allem auch ein Vertrauen in unseren Körper. Die Male, als ich nicht mein Bauchgefühl gehört habe, erinnere ich sehr genau und hätte mir gewünscht, doch etwas genauer hingehört zu haben. Kennst du das auch?

Die innere Stimme ist wirklich mehr ein Gefühl als eine Stimme - ein flüsterndes Gefühl, das direkt unter der Oberfläche pulsiert. Alle Tiere haben es. Wir sind die einzigen Kreaturen, die es verlernt haben oder gelernt haben es zu ignorieren. Aber natürlich lässt sich diese Innenwahrnehmung wieder lernen und es ist vor allem ein Vertrauen in sich selber, das sich entwickelt!

Wie oft hast du schon gegen dein Bauchgefühl gehandelt, nur um festzustellen, dass du im Widerspruch zu dem was du eigentlich tief drinnen besser wusstest, stehst? Wir verfangen uns oft im Tun. Und es kommen Gedanken auf wie: Das kann ich doch jetzt nicht machen. Was denken die anderen? Das wäre jetzt aber sehr unhöflich...

Aber je mehr wir uns auf unsere Intuition einstimmen können, desto besser geht es uns und es bewahrt uns sogar vor gefährlichen Situationen.

Ich persönlich glaube, dass Gott auf diese Weise zu uns spricht. Durch uns.


Bei allen großen Schritten in meinem Leben habe ich auf meinen Instinkt vertraut, nur dass ich mir dessen nicht so bewusst war, wie ich es heute weiß. Ich nehme alle Informationen auf, die ich sammeln kann. Ich fühle mich in die Situation hinein. Ich höre mir Vorschläge, Ideen und Ratschläge an. Dann höre ich auf meinen Bauch, auf das, was mein Herz am stärksten fühlt. Ich glaube, das ist Bauchgefühl.


Wenn du im Moment nicht weißt, was du tun sollst, tue erstmal nichts. Werde still, damit du die stille, kleine Stimme hören kannst - dein inneres GPS, das dich in die richtige Richtung lenkt. Und nochmal, vielleicht denkst du, es müsse eine laute, klare Stimme sein, die dir unüberhörbar sagt: Hier bitte links abbiegen.

Aber das ist es nicht. Wir stellen uns eine Frage. Oder fühlen uns in die Situation hinein. Werden sehr still und schauen, was sich zeigt.


Manche Menschen halten Intuition für eine mystische Kraft. Skeptiker schreiben sie als eine Sache der glücklichen Vermutung ab. Aber Wissenschaftler, die das Phänomen untersuchen, sagen, dass es eine sehr reale Fähigkeit ist, die in Laborexperimenten identifiziert und auf Gehirnscans sichtbar gemacht werden kann.

Dein Körper ist das Gefäß, in dem die Antworten hochsteigen.

Die Forschung zeigt, dass unsere Instinkte uns oft zuerst auf einer inneren, auf einer organischen Ebene treffen und uns sagen, was wir wissen müssen, lange bevor unser Bewusstsein uns einholt. Dazu empfehle ich meinen Blogbeitrag zur Polyvagal Theorie.


Es ist leicht zu erkennen, dass etwas nicht stimmt, wenn dein Herz klopft, du in Schweiß ausbrichst und dein Magen sich zu einem Knoten zusammenzieht. Aber selbst wenn die Veränderung beispielsweise deines Pulses oder deiner Körpertranspiration sehr viel subtiler ist, kann deine Intuition auch so versuchen, eine Botschaft zu übermitteln. Denn diese Weisheit wird über Empfindungen oder über Bilder vermittelt, nicht verbal.

Mit anderen Worten: Während sich die Stimme dessen, was wir sozial gelernt haben als Gedankenstrom im Kopf manifestiert, zeigt sich die innere Weisheit oft als Gefühl oder körperliche Empfindung im Körper.


Wenn du dich also fragst, ob eine Entscheidung weise oder klug ist, suche nicht in deinem Kopf nach einem rationalen Argument. Sondern richte deine Aufmerksamkeit nach innen und stelle dir eine bewusste Frage. Spüre dann ihre Wirkung auf deine Körper und deine Gefühle.

Das kann Minuten oder ein paar Tage dauern. Wenn etwas für dich nicht stimmig ist, wirst du vielleicht ein Einschnüren oder eine Anspannung spüren. Ein inneres Wissen, dass es falsch ist. Die bessere, weisere Wahl führt vielleicht eher zu einer körperlichen Empfindungen der Befreiung, ja sogar der Erleichterung. Diese innere Stimme ist ruhig, nicht laut. Schicke deine Aufmerksamkeit von oben nach unten, an einen Ort in der Mitte deiner Brust. Es hilft, einige tiefe Atemzüge zu nehmen. Vielleicht möchtest du dich hinlegen. Vor allem gibt dir etwas Zeit.


Die umgangssprachlichen Begriffe Bauchgefühl, Bauchwissen und sogar Bauchweisheit haben eine solide anatomische und physiologische Grundlage und ich versuche beide Welten hier in dem Beitrag anzusprechen.

Meine eigene Erfahrung ist, dass wenn wir mit unserem Nervensystem besser umgehen können, d.h. es besser verstehen lernen, wir auch uns besser verstehen und kennenlernen. Durch meine eigene TRE® Praxis hat sich mein Leben stark verändert.

Wir verbessern unsere Fähigkeit, uns aus stressigen Situationen zu befreien, haben aber auch mehr Einblick darin, wie es uns wirklich geht, was wir wirklich wollen und brauchen. Wir können das was unser Körper, die innere Stimme oder aber die Intuition sagt klarer wahrnehmen und das Leben vielschichtiger genießen.

Indem wir überflüssige Spannungen loslassen und freundlich zu uns selbst sind, verbessern wir unsere Stimmung, bringen unsere authentische Persönlichkeit zum Ausdruck und letztlich kommt das jeglichen unserer Beziehungen zugute. Wenn wir uns lösen, freimachen und leicht machen, sind wir auch in der Lage viel freier mit anderen Menschen zu agieren und uns auf Verbindung einzulassen. Es ist ein Kreislauf. Vielleicht hast du gerade eine bestimmte Frage oder du denkst an eine herausfordernde Situation oder schwierige Entscheidung - etwas, das dich nachts wach hält. Mit dieser Situation im Kopf, schreib die erste Antwort auf, die dir einfällt, wenn du dir die folgenden Fragen stellst. Denke nicht zu viel über die Antworten nach. In Hinblick auf deine Frage, Entscheidung oder schwierige Situation, frage dich:


Was würde die Ruhe, die Gelassenheit jetzt tun? Die personifizierte Gelassenheit, wenn sie eine Stimme hätte.

Was würde der Friede, die Friedlichkeit jetzt tun?

Was würde eine gute Kraft, die Freundlichkeit tun, was würde sie dir raten? Eine Kraft die niemanden verurteilt. Bei der du ganz du selbst sein kannst. Die bedingungslos hinter dir steht. Je öfter du dir diese seltsamen Fragen stellst, desto offener wirst du für die sanfte Energie deiner eigenen, inneren Stimme. Wenn du spürst wie dein Körper beginnt Spannungen loszulassen, weißt du, dass du in eine gute, kluge Richtung gehst.


Hörst Du gerne Podcast?

Diesen Beitrag und mehr Impulse und Methoden zum Umgang mit Stress und Herausforderungen gibt es in meinem Podcast 'Calm is your Superpower'.

Bei Itunes, Spotify und auf meiner Webseite.

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