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  • Karla Johanna Schaeffer

Psoas - der Seelenmuskel - Teil 2



Gerade ist die Thematik rund um den Psoas Muskel noch einmal so richtig aktuell, durch das viele Homeoffice, das viele Sitzen, die sich daraus ergebenden Rückenschmerzen, der Stressdruck und die möglichen Angstgefühle.

Was das alles mit dem Psoas zu tun hat, möchte ich in diesem Beitrag noch einmal auffrischen. Viele Informationen rund um den Psoas gibt es schon in dem Artikel:

Psoas – der Muskel der Seele. Nun hier die Ergänzungen.


Der Psoas ist das ‚Filet Mignon‘ des menschlichen Körpers. Er ist der tiefste Muskel in uns, er ist besonders saftig, geschmeidig und dynamisch.

Er ist sozusagen der Messenger des zentralen Nervensystems und ist viel mehr, als nur ein Muskel, denn er kann als Vorbote deines Bauchgefühls, des Bauchinstinkts bezeichnet werden. In einigen spirituellen Philosophien wird der Psoas als ‚Muskel der Seele‘ bezeichnet.


Der Psoas gehört zur einer Muskelgruppe im unteren Rücken, im hinteren Beckenbereich und in der Hüfte. Man unterscheidet eigentlich zwischen drei Muskelsträngen, die dann zusammen die Muskelgruppe bilden. Der Psoas reagiert auf seelische und körperliche Veränderungen oft sehr sensibel.


Liz Koch, der Königin des Psoas, die das Buch ‚The Psoas Book‘ geschrieben hat und viel Research zum Psoas veröffentlicht hat, spricht diesem Muskel viele Fähigkeiten und Eigenschaften zu. Einige glauben vielleicht, dass dies die wahre Funktion oder Fähigkeit der Muskeln übertreibt. Der Tiefsinn und die Tiefgründigkeit des Muskels kann jedoch nicht weg argumentiert werden. Es ist buchstäblich der tiefste Muskel des menschlichen Körpers und der Inbegriff unserer ‚Kernmuskulatur‘. Er ist verantwortlich dafür, dass wir stabil bleiben, er beeinflusst unser strukturelles Gleichgewicht und unsere Muskelintegrität und wenn diese beeinträchtigt wird, wirkt sich dies auch auf unsere Flexibilität, Kraft, Bewegungsfreiheit, Gelenkbeweglichkeit und sogar auf die Organfunktion aus.


Der Psoas verbindet den Oberkörper und den Unterkörper, er verbindet die Innenseite nach außen und die Rückseite nach vorne. Ohne diesen Muskel könnten wir nicht aufrecht stehen oder unsere Beine heben, um zu gehen. Das liegt daran, dass dies der einzige Muskel ist, der die Wirbelsäule mit den Beinen verbindet.


Der Grund, warum der Muskel mehr als nur ein mechanischer Hebel ist, der uns das Gehen ermöglicht, ist, dass er tatsächlich ein ‚Major Player‘ ist, wenn es darum geht, wie wir uns fühlen. Auch durch seine Verbindung zu unserem Zwerchfell. Die Faszie (Bindegewebe) verbindet den Psoas mit dem Zwerchfell.

Das Zwerchfell ist eine dünne Schicht Muskelgewebe unter der Lunge, das bestimmt, wie wir atmen. Wenn wir oft gestresst sind, wirkt sich das auf unsere Atmungsmuster aus (wir atmen anders, flacher, gepresster), was sich wiederum auf die Psoas Muskeln auswirkt. Es gibt nur zwei Zustände, in denen ein Muskel sein kann. Der eine Zustand ist angespannt und der andere ist entspannt. Je nachdem, wie wir uns fühlen oder was wir tun, wird dies entweder zu Spannungen oder zur Entspannung des Muskels führen.


Ein ständig kontrahierter, also angespannter Muskel führt schließlich zu einer physischen Verkürzung des Muskels. Wenn du dich gestresst fühlst, wird der Psoas die Spannung halten. Je gestresster wir werden, desto angespannter, enger und verkürzter wird er. Wenn eine Verkürzung auftritt, entstehen eine Vielzahl von schmerzhaften Zuständen, mit denen viele von uns vertraut sind: Rückenschmerzen, Knieschmerzen, Ischias Schmerzen und sogar Verdauungsprobleme.


Auch hat ein verspannter Psoas Auswirkungen auf die Menstruation. Frauen, die einmal im Monat Schmerzmittel nehmen, profitieren auch in diesem Bereich, wenn der Psoas entlastet wird, weil dies positive Auswirkungen auf die Regelschmerzen hat. Die Verbindung des Psoas und der Regelschmerzen ist, dass oft die Schmerzen, die wir haben nicht aus der Gebärmutter kommen, sondern ein verspannter, verkürzter Psoas auf die Reproduktionsorgane drückt und den Blutfluss einschränkt, behindert und die Nervenbahnen reizt.


Wenn es uns nicht gut geht, wir unruhig sind, Angst haben und/oder gestresst sind, betrifft das unseren ganzen Körper. Unsere Muskeln bereiten sich vor, indem sie sich anspannen, unser Puls steigt an, das Adrenalin in unserem Blut macht uns wachsam und bereit. Dieser Zustand nennt sich ‚Fight or Flight‘ Modus. Im Normalfall erfüllt sich der Notzustand, indem wir vor etwas fliehe oder uns wehren müssen, sodass der Körper wieder herunterfahren, sich beruhigen und wieder in Balance kommen kann.

Aber allein eine starke Geräuschkulisse, oder wenn uns jemand zu nahe kommt und wir uns überfordert fühlen, kann richtig Stress auslösen. Unsere natürlichen Bewältigungsmechanismen sind nicht darauf angelegt, solche konstanten Stressbelastungen auszuhalten.

Wenn dieser ‚Fight or Flight‘ Modus immer wieder anspringt, ohne Beruhigungsphasen oder der Möglichkeit, die ‚Fight or Flight‘ Reaktion tatsächlich auszuleben, also die bereitgestellte Energie auch wieder loszuwerden, indem wir fliehen, kämpfen oder ganz realistisch in unseren Alltagsleben den Körper durch Bewegung und Körperarbeit auspowern, bleiben wir in einem anhaltenden Zustand von Anspannung. Diese Anspannung wird dann erlebt als Angst, Erschöpfung, Überreizung, Panik und Unruhe.


Die Art und Weise, wie wir heute leben, ständig hetzen, konkurrieren und etwas erreichen müssen, hält den Psoas in einem ständigen ‚Fight or Flight‘ Zustand.


Wenn du mal darüber nachdenkst, was mit deinem Atem passiert, wenn du gestresst bist, dann stellst du fest, dass sich dein Atemmuster verändert. Da das Zwerchfell der Muskel ist, der unsere Atmung direkt steuert, wirkt sich seine Verbindung zum Psoas wiederum auf den Psoas aus. Je nachdem, wie wir uns fühlen oder was wir tun, führt die Enge und Anspannung oder die Entspannung des Zwerchfells entweder zu Spannungen oder zur Entspannung im Psoas.

Wenn du dich gestresst fühlst, wird der Psoas die Spannung halten. Je gestresster wir werden, desto enger und verkürzter wird es.


Aber, und hier wird’s interessant, oder noch interessanter. ;)

Es kann eben auch umgekehrt funktionieren. Wenn der Psoas chronisch verspannt, eng und verkürzt ist, durch z.B. langes Sitzen (Homeoffice oder generell der Büro Alltag) oder andere auslösende Umstände / Aktivitäten wie z.B. enge Hosen, wirkt sich dies auf unser Zwerchfell und unsere Atmungsmuster aus. So könnten wir aufgrund von einer eingeschränkten Atmung infolge eines engen Psoas buchstäblich gestresst und ängstlich werden.


Laut Liz Koch ist der Psoas stark in solche grundlegenden physischen und emotionalen Reaktionen verwickelt, sodass ein chronisch angespannter Psoas deinen Körper ständig signalisiert, dass du in Gefahr bist. Und dies wirkt sich natürlich auf dein Stress- und Angstempfinden aus.


Angst wird also immer vom Psoas Muskel registriert und demnach ist es auch möglich, durch das Entlasten des Psoas, Ängste, Stress und Anspannung freizusetzen.

Wenn wir eine traumatische Erfahrung machen, wenn das Nervensystem (einschließlich des Gehirns) die bedrohliche Information erhält, dass der Körper angegriffen wird, gerät der Körper in Alarmbereitschaft und die Psoas-Muskeln spannen sich an, ziehen sich zusammen, damit wir uns verteidigen und uns schützen können. Insbesondere während eines sexuellen Traumas ist der Psoas stark beeinträchtigt durch die körperliche und emotionale Belastung, die gegen ihn gerichtet ist.

Während angespannte Muskeln, angespannte Schultern oder schmerzende Füße sich mit einem heißen Bad entspannen lassen oder manchmal einfach nur eine Ruhepause brauchen, um wieder weich zu werden, ist der Psoas komplexer. Jedes neu auslösende Ereignis (das können auch Ereignisse sein, die ‚nur‘ stressig und nicht vollständig traumatisierend sind) erzeugt zusätzliche Spannung, da sich der Psoas an das erinnert, was er während des ursprünglichen traumatischen Ereignisses gelernt hat. Nämlich: Wenn mein Körper angegriffen wird, muss ich meine Schale härten, um ihn zu schützen.


Psoas-Schmerzen sind im Allgemeinen nicht im Hüftbereich lokalisiert. Wir erleben normalerweise die Schmerzen, die indirekt durch einen kontrahierten Psoas entstehen. Dies bedeutet, dass nicht unbedingt der Bereich schmerzt, in dem der Psoas sitzt, sondern angrenzende Bereiche wie Schultern, der obere oder der untere Rücken.


Wenn wir anfangen den Psoas Muskel zu entspannen, fühlen wir uns häufig nicht nur beweglicher in unseren Hüften und können Schmerzen im gesamten Rücken lösen, sondern wir fühlen uns auch weniger ängstlich und gestresst.

Der Psoas kann gedehnt werden mit Übungen, um wieder gut zu funktionieren. Das Lösen und das Dehnen dieses Muskels dauert meistens ein bisschen.

Wenn wir diesen Muskel der Seele – wie er in einigen Traditionen genannt wird, entspannen, können wir uns wieder mehr mit uns selbst, unserem Körper verbinden und wir fühlen uns mehr in unserer Mitte.


Yoga und Pilates Übungen sind eine gute Methode, um Verspannungen in den Psoas-Muskeln zu lösen. Ich empfehle immer, zuerst mit einem erfahrenen Yogalehrer oder Pilateslehrer zusammenzuarbeiten, wenn Trauma Erfahrung gemacht wurde. Es ist wichtig zu beachten, dass beim Üben von Hüftöffnern, Emotionen an die Oberfläche rollen können. Das Erlauben, diese Emotionen zu spüren, hilft uns zu heilen.

Wenn du stabil bist, und dir ‚nur' Rückenschmerzen Sorge bereitet, dann kannst du Psoas Dehnungen natürlich auch selbstständig üben.

Auch TRE (Tension & Trauma Releasing Exercises) ist darauf angelegt, genau diesen Psoas Muskel zu lösen und zu lockern. Das neurogene Zittern beginnt in genau dieser Muskelgruppe, in der wir viel aus der Vergangenheit halten.

Um wieder die feinen Energien in unseren Körpern zu spüren, müssen wir die verlorene Verbindung mit dem Fühlen und dem Empfinden wiederherstellen. Unseren Körperempfindungen. Das ist ein Prozess, den niemand für uns tun kann. Andere können und leiten, begleiten und anleiten, aber wir können unsere Körper nicht in die Werkstatt zur Generalüberholung geben.

Der Psoas hat ein Bewusstsein – es sind seine Erinnerungen und sein Bewusstsein, die seinen physiologischen Zustand prägen und dafür maßgeblich sind, ob dieser weich und beweglich oder hart und unbeweglich ist. Worin also bestehen die Erinnerungen des Psoas? Oder, um es besser zu formulieren: Welche Erinnerungen sind dort gespeichert? Der entscheidende Hinweis liegt darin, dass er als der tiefste Muskel des Körpers gilt. Der tiefste Muskel hält auch die tiefsten Erinnerungen inne.


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Diesen Beitrag und mehr Impulse und Methoden gegen Angst und Stress gibt es in meinem Podcast 'Calm is your Superpower'.

Bei Itunes, Spotify, Youtube und auf meiner Webseite.

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